Baukunstarchiv NRW – das nächste Millionengrab in Dortmund in Planung

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Kaum ist der erste Spatenstich für das aus Kostengründen und wegen seines Standortes umstrittene Deutsche Fussballmuseum (DFM) am Dortmunder-Bahnhofsvorplatz vorbei, da wird schon das nächste teure Kulturprojekt in Dortmund mit dem Baukunstarchiv NRW angeschoben. Beim Fussballmuseum geht die Stadt Dortmund durch die Verträge mit dem DFB ein hohes Risiko bei den Betriebskosten ein, da der DFB seinen Zuschuss begrenzt hat und somit alle Mehrkosten von der Stadt Dortmund zu tragen sind, so kritisiert es auch der Bund der Steuerzahler. Das mehr Geld als geplant erfordertlich sein wird, zeigt bereits ein Blick auf die kalkulkierten Besucherzahlen des Fussballmuseum, die ähnlich wie beim Dortmuner U viel zu hoch angesetzt wurden. Kommen weniger Besucher als geplant oder steigen die Betriebsosten, dann zahlt die Stadt Dortmund drauf.

Das die etablierte Politik und die Stadtverwaltung sich beim “Draufzahlen” auskennen, haben sie in etlichen Projekten schon bewiesen. Beim mit 49 Millionen Euro Herstellungskosten kalkulierten Dortmunder U ist man laut letztem Bericht an den Rat von 2011 (!) bei immerhin 86.5 Millionen Euro und nach inoffiziellen Angaben bereits bei ca 103 Millionen Euro angelangt – wobei das Projekt nach 4 jahren immer noch nicht beendet werden konnte und somit weiter Baukosten verschlingt und es ob seiner vielen und hanebüchenen Baumängel ungewollt zum “Baumängelarchiv NRW” mutierte. Der grösste Skandal aber sind die Steigerung der jährlichen (!) Betriebskosten des Dortmunder U von – schon hohen – 3,4 Millionen auf nunmehr 10,2 Millionen Euro pro Jahr. Diese beträchtlichen Beträge fehlen an vielen anderen Stellen für dringend notwendige Ausgaben für Reparaturen, Betrieb und Unterhaltung bei anderen bestehenden Einrichtungen, die von der Bevölkerung im Gegensatz zum Dortmunder U benötigt werden.

Das neue Baukunstarchiv-NRW soll nicht nur als Archiv für Pläne, Texte und Bilder besonderer Architektur und für öffentliche Ausstellungen und Seminare über Architektur dienen sondern auch als öffentliche Stätte für Forschung und Lehre der FH und TU fungieren – ein nicht uninteressantes Konzept. Man muss es aber auch dauerhaft finanzieren können!

Der Dortmunder U-Turm

Der Dortmunder U-Turm

Bei der Idee ein Baukunstrarchiv-NRW in Dortmund zu schaffen, tritt ein speziell dafür gegründeter Förderverein unter der Schirmherrschaft des einstigen NRW-Verkehrs- und Städtebauministers Zöpel (SPD) auf. Zöpel wurde vor Jahren dadurch bekannt, als er sagte, dass es unter ihm keinerlei Strassenneubauten in NRW geben würde – er hielt Wort – so kann man Industrieländern wie NRW auch “nachhaltig” Standortnachteile verschaffen! Die Mitglieder des Fördervereins bestehen aus Hochschullehrern der Fachhochschule DO und der TU-Dortmund, Vertretern der Architektenverbände und auch der ehemalige Baudezernent und Stadtdirektor Fehlemann (CDU) sowie der Architekt des Skandalprojektes Dortmunder U, Prof. Gerber, sind vertreten. Pikant ist alledings die Wahl des Gebäudes, das der Förderverein für das neue Baukunstarchiv anstrebt – das alte Ostwall-Museum. Dieses Gebäude war laut Baugutachten einst als “zu feucht” – insbesondere die als Archiv genutzten Keller – für eine weitere Museumsnutzung eingestuft worden und dieses Argument diente als Vorlage und Begründung für den Ratsbeschluss für den teuren Umzug des Ostwall-Museums in das Dortmunder U. Seinerzeit gab es aus dem Kreis der Museumsfreunde und der CDU-Fraktion Kritiker, die für einen preiswerten Umbau und eine Sanierung des Ostwall-Museums eintraten. Ein Wunder, wenn der ehemalige Baudezernent Fehlemann (CDU) darum weiss und das gebäude gar nicht so “feucht” und sanierungsuntauglich ist, wie damals behauptet? Erst durch die Museumsnutzung wurde das Projekt Dortmunder U nämlich letztlich ermöglicht. Nach der “Haushaltslüge” schimmert hier erkennbar eine “Museumslüge” durch.

Das die 49 Millionen Herstellkosten beim Dortmunder U von Anbeginn falsch und zu niedrig angesetzt waren, war den Eingeweihten bekannt. Erhöhte Sicherheits- und Brandschutzanforderungen für ein Hochhaus und darin angesiedelte Versammlungsstätten wurden ebenso nicht kalkuliert wie der Umbau der Fassade des alten Brauerei-Kühlhauses. So erzeugt die – zwar renovierte – aber alte Fassade immer noch bauphysikalisch den Effekt einer hohen Luftfeuchtigkeit im inneren des U-Turmes! Man zog also – bezüglich der Feuchtigkeit – vom (Ostwall) Regen in die (U-Turm) Traufe. Die notwendige Entfeuchtung und Klimatisierung sind mit ein Grund für die erhöhten Kosten. Man musste aber bei der Planung unter 50 Millionen bleiben, da sonst die EU im Gegenzug zur Gewährung der Fördergelder besondere Begründungen und Expertisen über nachhaltig positive wirtschaftlichen Folgewirkungen verlangt hätte – Gutachten, die bei dem Projekt schwerlich beizubringen sind. Ein Grund übrigens, das Dortmunder U nun krampfhaft als “Kreativzentrum” zu bezeichnen!

Waren im Juli 2012 noch 2,5 Millionen für den Umbau des alten Ostwall-Museums kalkuliert, so ist man nun schon bei 4 Millionen Euro angelangt. Rechnet man die Kubikmeter umbauten Raum des Gebäudes mit Indexkosten für Grundsanierungen, kommt man bei ca. 8 Millionen Euro an. Das dürfte also der realistische Betrag sein! Von den 4 Millionen will das Land NRW 80 % durch Fördermittel übernehmen – also 3,2 Millionen. Blieben der gesetzliche Anteil von 20 % – ca 800 000 Euro für die Stadt Dortmund – und – die zu erwartenden Mehrkosten von bis zu 4,0 Millionen Euro, das macht “mal eben” bis zu 4,8 Millionen Euro. Die jährlichen Betriebskosten sind mit 450 000 Euro vermutlich auch deutlich zu knapp kalkuliert. Immerhin traut sich der Förderverein zu, diese Kosten in den ersten 5 Jahren aufzubringen. Wer trägt denn da wohl das Ausfallrisiko, die zu erwartenden Mehrkosten und wer zahlt nach den 5 Jahren?

Die Stadtverwaltung und die etablierte Politik halten sich ob der aufkommenden Kritik – auch aus den eigenen Reihen – mittlerweile bedeckt. Spätestens nach dem Konzerthaus und dem Dortmunder U weiss man es und beim Fussballmuseum scheint man zu ahnen, dass Kulturprojekte – so sinnvoll sie auch erscheinen mögen – immer ein deutliches Zuschussgeschäft darstellen und nie die breite Öffentlichkeit erreichen sondern nur bestimmte Klientel zufrieden stellen. Auch müsste der Rat der Stadt Dortmund auf millionenschwere Einnahmen für den Verkauf des Grundstückes verzichten – und dies vor dem Hintergrund, dass der Rat schon die Vermarktung des alten Ostwall-Museums beschlosssen hatte und Einnahmen für den maroden Haushalt daraus erwartet. Wer dann noch – nicht vorhandenes – Geld in Millionenhöhe für Investitionen in ein weiteres Kulturprojekt ausgeben will und Kostenrisiken übernimmt, der muss damit rechnen, dass die Bevölkerung solches Handeln hinterfragen und missbilligen wird. Eine an den Interessen und Bedürfnissen des deutschen Volkes ausgerichtete Politik für Zukunftssicherung, Familienförderung, Bildung und Erhalt und Schaffung von Infrastruktur sowie dem Erhalt von sozialen Errungenschaften und Wohlstand für alle geht eindeutig anders.

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