Widerspruch gegen politisch motiviertes Stadionverbot

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Wie bereits berichtet, verhängte die Vereinsführung von Borussia Dortmund am vergangenen Freitag (5. Oktober 2012) mehrer Stadionverbote (nach offiziellen Angaben acht an der Zahl) gegen politisch missliebige Fußballanhänger. Nachfolgend wird der Widerspruch von einem der Betroffenen dokumentiert, der auch als Vorlage für andere Betroffene verwendet werden kann. Das Schreiben wurde dem Redakteur des “DortmundEchos” zugeschickt.

Dortmund, den 7. Oktober 2012

Betrifft: Widerspruch gegen örtliches Stadionverbot

Sehr geehrte Herren Watzke und Dr. Hockenjos,

am vergangenen Freitag (5. Oktober 2012) wurde mir durch Beamte des polizeilichen Staatsschutzes ein „örtliches Stadionverbot“ überreicht, das vom Verein Borussia Dortmund ausgesprochen wurde und bis zum 30. Juni 2016 gilt. Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen, widerspreche dieser hiermit und bitte um eine Prüfung, da die Begründung des Stadionverbotes eindeutig unzureichend ist.

Zunächst heißt es, Sie wären durch die Polizei darüber informiert wurden, dass ich Bundesligabegegnungen im Signal Iduna Park Dortmund besuchen würde. Dies ist falsch, ich war im Verlaufe dieser Saison bei keiner Bundesligapartie von Borussia Dortmund, augenscheinlich liegen der Polizei demnach Fehlinformationen vor. Tatsächlich habe ich in dieser Saison eine Championgsleague-Heim-Partie des BVBs, sowie zwei Heimspiele der Amateure besucht.

Das ich Mitglied der verbotenen Vereinigung „Nationaler Widerstand Dortmund“ war, ist zutreffend, allerdings ist dies weder eine Straftat, noch steht dies in irgendeinem Bezug zum Besuch von Fußballspielen. Außerdem ist gegen das nicht-rechtskräftige Vereinsverbot eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Münster anhängig, deren Entscheidung noch aussteht. Auch die polizeiliche „Erkenntnis“, dass ich „eindeutig der rechtsextremen Szene zuzuordnen“ sei, ist irrelevant, da es meines Wissens nach zwar Personenkontrollen an den Stadioneingängen gibt, aber keine Gesinnungskontrollen. Sollte die Hausordnung des Signa Iduna Parkes oder der Roten Erde neuerdings um eine „Gesinnungs-Ordnung“ erweitert worden sein, welche den Besuchern ihre Gedankengänge vorschreibt, ist mir das bisher nicht bekannt gewesen und ich bitte mein Unwissen zu entschuldigen. Politische Aktivitäten wurden von mir bei keinem der besuchten Fußballspiele begangen, es ist für mich aber auch nicht erkennbar, dass dies verboten ist, da beispielsweise bei dem Spiel Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen (15. September 2012) sogar von Vereinsseite dazu aufgerufen wurde, politische Botschaften ins Stadion einzubringen. Damals besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Spiel, auf der Süd- und Nordtribüne wurden vorgefertigte Transparente bzw. Plakate „gegen Rechts“ und „für Toleranz“ gezeigt. Sollte es einen einheitlichen Konsens geben, bitte ich darum, mir mitzuteilen, ob gegen die Verantwortlichen dieser Aktion ebenfalls ein Stadionverbot verhängt wurde. Ist es der Bundeskanzlerin Angela Merkel, die augenscheinlich politische Inhalte im Stadion verbreitet, weiterhin gestattet, den Signal Iduna Park zu besuchen? Wenn nein, bis wann ist ihr Stadionverbot befristet?

Weiterhin wird in der Begründung des von ihnen verhängten Stadionverbotes aufgeführt, dass ich „im Vorfeld bzw. im Rahmen der 3.-Liga-Partie zwischen RW Erfurt und Borussia Dortmund 2 am 01.09.2012 durch eindeutig rechtsextrem politisch motivierte Aktionen in Erscheinung“ getreten sein soll. Bitte begründen Sie dies. Ich wurde zwar vor Betreten des Erfurter Stadions zusammen mit rund 45 weiteren Dortmund-Anhängern von einer Polizeihundertschaft kontrolliert, dies wurde aber mit einer „allgemeinen Kontrolle“ begründet, von der fast sämtliche Gäste-Fans betroffen waren. Das es im Vorfeld der Partie überhaupt zu politisch-rechten Aktionen gekommen ist, scheint unwahrscheinlich, da solche nicht bekannt sind. Während des Spiels wurden im Dortmunder Fanblock mehrere schwarz-weiß-rote Fahnen des deutschen Kaiserreiches gezeigt, diese sind aber weder strafbar, noch habe ich eine solche Fahne gezeigt. Sollte das Zeigen dieser Fahnen die „rechtsextreme Aktion“ gewesen sein, belegen Sie bitte, in welchem Zusammenhang ich dazu stehen soll. Andernfalls wirkt es fast schon verleumderisch, wenn mir Aktivitäten vorgeworfen werden, die ich nicht begangenen habe – wenn sich ihre Angaben auf die Polizei stützen, sollten Sie im allgemeinen Interesse zukünftig eine Überprüfung durchführen, bevor eventuelle Schritte eingeleitet werden. Insgesamt erscheint mir das verhängte Stadionverbot willkürlich und auf politischem Druck basierend. Auch scheint es kein gängiger Vorgang zu sein, dass Briefe des BVBs, die als „Einschreiben / Rückschein“ frankiert sind, persönlich von Polizeibeamten übergeben werden, sogar noch am Tag des Verfassens.

Ich appelliere daher an Sie als Verfasser, stellvertretend für die restliche Vereinsführung, Besucher nicht nach politischer Gesinnungen auszusortieren, sondern mit gutem Beispiel voranzugehen, um zu zeigen, dass Borussia Dortmund nicht nur für sportliche Erfolge, sondern auch für Meinungsfreiheit steht. Als Zeichen hierfür wäre es ein erster Schritt, mein Stadionverbot (sowie Stadionverbote in ähnlich oder gleich gelagerten Fällen) aufzuheben. Bitte teilen Sie mir ihre Entscheidung mit.

Mit freundlichen Grüßen

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