Der Ruhraufstand von 1921 und sein Ende

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In diesen Tagen jährt sich der sogenannte „Ruhraufstand“ (auch als Märzaufstand bezeichnet) zum 83. Mal. Damals, im Frühjahr 1920, riefen verschiedene sozialdemokratische und kommunistische Parteien als Reaktion auf den in Berlin stattfindenden Umsturzversuch des Generallandschaftsdirektors Wolfgang Kapp einen Generalstreik aus. Kapp führte einen Umsturzversuch durch, der von ihm als nationale Erhebung bezeichnet wurde und sich gegen die Regierung der Weimarer Republik richtete, der er insbesondere Versagen im Punkte der Soldaten- und Außenpolitik vorwarf. Parallel zum bundesweit anlaufenden Generalstreik wurden bewaffnete Einheiten gebildet, die sogenannte „Rote Ruhrarmee“, mit deren Hilfe in kürzester Zeit sämtliche Ruhrgebietsstädte kommunistisch besetzt wurden – ehemalige Sicherheitsorgane, sowie bestehende Bürgerwehren wurden mit Gewalt abgesetzt, ebenso wie die bisherigen Bürgermeister und Ortsvorsteher. Plünderungen und Diebstähle waren an der Tagesordnung.

Während die damalige Regierung der Weimarer Republik, gebildet von SPD, der Zentrumspartei und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), unter Führung von Gustav Bauer anfangs das Ausfrufen eines Generalstreiks befürwortete, welcher im Übrigen maßgeblich zum Scheitern des „Kapp-Putsches“ beitrug, änderte sich dies am „Tag nach Kapp“: Längst war das Ruhrgebiet außer Kontrolle geraten, denn der Generalstreik wurde nach Abwendung des nationalen Umsturzes durch Kapp nicht beigelegt, sondern die Zielsetzung auf eine „Erringung der politischen Macht durch die Diktatur des Proletariats“ ausgeweitet. Begünstigt durch die gerade im Ruhrgebiet besonders arme Bevölkerung, die sich in großen Massen von den kommunistischen Parolen verleiten ließen, stieß diese Forderung zunächst auf breite Zustimmung. Die Regierung Bauers – insbesondere vertreten durch den Innenminister Gustav Noske – musste mit Ansehen, wie sich das kommunistische Einzugsgebiet über das Ruhrgebiet hinaus auszubreiten drohte und bis in die Anfänge des Münsterlandes, sowie bis vor die von Regierungstruppen stark gesicherte Stadt Wesel reichte.

Die Weimarer Regierung sah sich gezwungen, aufgrund der militärischen Situation auf die Hilfe von Freikorpskämpfern zurückzugreifen, die teilweise erst wenig zuvor in den „Kapp-Putsch“ verwickelt waren. Um die rote Gefahr niederzuschlagen, formierten sich unter Anderem die Freikorps „Lichtschlag“, „Epp“ und „Jauch“, die aus Oberschlesien kampferprobte „Marine-Brigade von Loewenfeld“, sowie die zuvor im Baltikum kämpfende „Sturmabteilung Roßbach“. Während die „Rote Ruhr Armee“ bei der Entwaffnung von Polizei und Bürgerwehren, die teilweise in ihren Kasernen von tausenden aufgehetzten Arbeitern umstellt wurden, kaum Widerstand spürte, änderte sich dies durch den Einsatz der Freikorps schlagartig. Zusammen mit Reichtswehreinheiten rückten diese von verschiedenen Seiten ins Ruhrgebiet vor, wobei es den Kommunisten gelang, in der Stadt Wetter eine Vorhut des „Freikorps Lichtschlag“ am 17. März im dortigen Bahnhofsgebäude einzuschließen. Aus einer größeren Menschenmenge von vielen hundert Personen heraus eröffneten Rotarmisten das Feuer auf die völlig überraschten Freikorpskämpfer, von denen dutzende getötet und rund 600 gefangen genommen wurden. Ähnlich erging es Freikorpssoldaten beim Vormarsch durch den Aplerbecker Wald im Osten Dortmunds, die ebenfalls in einen Hinterhalt gerieten und dort nicht nur umfangreich Ausrüstungsgegenstände, sowie Waffen verloren, sondern erneut mehrere Tote zu beklagen hatten. Insgesamt fielen in den Tagen des Ruhraufstandes zwischen März und April 1920 273 Anhänger von Freikorps- oder Reichswehreinheiten. Demgegenüber stehen 2000 Mitglieder der „Roten Ruhrarmee“, die teilweise auch vor Standgerichten nach ihrer Festnahme zum Tode verurteilt wurden. Während die Freikorpseinheiten uniformiert kämpften, versuchten viele Rotarmisten, die sich in ausweglosen Situationen befanden und eine Festnahme fürchteten, als Zivilisten verkleidet zu entkommen – später nutzten linksgerichtete Kreise dies als Vorwand, um angebliche Gewalt von Freikorpskämpfern gegen „unschuldige Zivilisten“ zu belegen.

Trotz Rückschlägen gelang es Freikorps- und Reichwehreinheiten jedoch zunehmend, den Aufstand niederzuschlagen, was zudem von internen Unstimmigkeiten zwischen den vielen verschiedenen linken Gruppierungen, die sich in der „Roten Ruhrarmee“ zusammengeschlossen hatten, begünstigt wurde. Unter dem Kommando von General Watter wurden schrittweise die durch Kommunisten besetzten Städte zurückerobert, wobei sich viele Rotarmisten über den Rhein in das französisch besetzte Gebiet flüchteten, um ihrer erwarteten Strafe zu entkommen. In schwere Kampfhandlungen wurde auch das „Freikorps Epp“ verwickelt, dass aus Richtung Hamm kommend in mehrere Gefechte involviert war, wobei insbesondere die „Schlacht bei Pelkum“ am 1. April 1920 auch heute noch gelegentliche Aufmerksamkeit erfährt, wenn linksextreme Kreise den dort gefallenen Rotarmisten gedenken. Wie in Pelkum existiert auch in Dortmund auf dem Nordfriedhof heute noch ein Mahnmal, das von der KPDerrichtet wurde und mit dem bis heute einseitige Geschichtsverklärung betrieben wird.

Bei den äußerst hart geführten Kampfhandlungen fanden sich auf beiden Seiten viele ehemalige Frontsoldaten des ersten Weltkrieges, die sich teilweise nationalen und heimatverbundenen Vereinigungen wie den Freikorps angeschlossen hatten, aber auch (zu nicht unerheblichen Teilen) den Parolen der Kommunisten, die mit ihrem Klassenkampf das Volk aufspalteten und gegeneinander hetzten, gefolgt waren. Trotz Fehlern der Regierung Bauer gelang es letztendlich, einen kommunistischen Machtübernahmeversuch im Westen Deutschlands durch die Hilfe nationaler Einheiten zu verhindern – zwar wurde somit auch die Existenz der politisch instabilen Weimarer Republik gesichert, durch die Niederschlagung des Aufstandes den militanten Sozialdemokraten und Kommunisten in ihrem Versuch einer mit Gewalt ausgeübten Machterringung aber eine Niederlage zugefügt, von welcher sich diese – zumindest im Rheinland und Westfalen – nicht mehr erholen sollten.

Dieser Text wurde in der Vergangenheit auf einer anderen Internetseite veröffentlicht und vom “DortmundEcho” mit kleineren Änderungen übernommen.

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2 Kommentare

  1. Schwerthammer on

    Die Kommunisten haben nach dem ersten Weltkrieg mehrfach versucht die Macht gewaltsam in Deutschland zu ergreifen. Der Spartakusaufstand vom 5.-12. Januar 1919 in Berlin, der Kampf nach dem Kapp-Putsch mit der Roten-Ruhrarmee, Bayern, Thüringen und Sachsen – überall kommunistiche Aufstände, die nur mit “Freikorps” – aus ehemaligen Frontsoldaten, Bürgern und Studenten gebildete Freiwilligenverbände – in jeweils regelrechtem Bürgerkrieg niedergeschlagen werden konnten – mit tausenden von Opfern auf beiden Seiten und vielen getöteten und verletzten Zivilisten.

    Allerdings muss man gerechterweise auch feststellen, dass die Kämpfe von beiden Seiten teilweise mit äusserster Härte und Brutalität geführt wurden und beide Seiten auch vor Mord nicht zurückschreckten. Nur – die Freikorps waren Truppen der legitimen SPD-Reichsregierung und die Angehörigen der Rote Armee kämpften als Aufständische. So wurden in Berlin die Kommunisten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg als Anführer des Spartakus Aufstandes durch Freikorps-Soldaten erschossen.

    Die offizielle Armee – die Reichswehr – und die Polizei waren aufgrund ihrer Stärke und Ausrüstung gar nicht in der Lage die Aufstände zu beherrschen. Das sich aus den Frontsoldaten des ersten Weltkrieges, dem Bürgertum und den Studenten so viele Freiwillige meldeten und bereit waren ihr Leben für ein freies Deutschland und gegen den Kommunismus einzusetzten, damit hatten die Kommunisten seinerzeit nicht gerechnet.

    Auch der letzte Versuch der Kommunisten im Februar 1933 einen Aufstand gegen die gerade erst im Amt befindlche Regierung Hitler zu starten, scheiterte kläglich und endete für viele Kommunisten im Gefängnis, im Schutzhaftlager oder als Flüchtling im Ausland.

    Im Aplerbecker Wald gibt es heute noch gut erkennbare Zeugnisse der Ereignisse vom März 1920. Ein kilometerlanges Schützengrabensystem zieht sich entlang der nördlichen Ardey-Höhenlinie vom Schwerter Freischütz über Aplerbeck bis nach Lichtendorf hin. Das Schanzwerk wurde als flacher Schützengraben mit Wall von der Roten-Ruhrarmee eilig angelegt, die hier Abwehrstellungen gegen das aus dem Ruhrtal anrückende Freikorps Lichtschlag bezogen hatte. Das erklärt auch die schweren Verluste des Freikorps im Aplerbecker Wald. Ein weiteres schweres Gefecht ereignete sich auf dem Gelände der heutigen Landesklinik am Westfalendamm, wo ebenfalls aus Holzwickede und Sölde vorrückende Einheiten des Freikorps Lichtschlag aufgehalten wurden.

    Die Rote-Ruhrarmee war in Aplerbeck deshalb so stark, weil Aplerbeck 1920 ein stark industrialisierter Vorort im damals von Dortmund noch unabhängigen Stadtkreis Hörde war. Es gab ein Hochofen- und Stahlwerk, 5 grössere Zechen, eine Kokerei und Gasanstalt, 3 Ziegeleien und eine Maschinenfabrik. Entsprechend viele Arbeiter konnten von den Kommunisten mobilisiert werden und die Führung der Roten-Armee bestand aus erfahrenen Soldaten und Unteroffizieren des 1. Weltkrieges, die das Kriegshandwerk durchaus beherrschten.

    Bei den Freikorps gab es viele Offiziere mit Kriegserfahrung und ebensolche Frontsoldaten aber eben auch viele Freiwillige mit unzureichender militärischer Ausbildung und ohne jegliche Erfahrung – dafür aber mit Mut und Opferbereitschaft. Das erklärt auch die hohen Anfangsverluste dieser ansonsten gut geführten Truppen. Bei der Rückeroberung des Ruhrgebietes von Wesel bis Hamm gingen die Reichstruppen in Dortmund zusammen mit ortskundigen Polizeieinheiten vor und mischten unerfahrene Freikorpssoldaten mit militärisch gut ausgebildeten Reichswehreinheiten und Freikorps mit hohem Anteil an Frontsoldaten. Diese Konzept führte sehr schnell zum Erfolg. Die standrechtlichen Erschiessungen und auch Morde, die von Freikorps bei der Rückeroberung begangen wurden führen Historiker auf die brutalen Morde der Roten-Armee – als Vergeltung – und auf die hohen Anfangsverluste der Freikorps – als Rache – zurück. Der Krieg nährt leider die Grausamkeit – hier wie dort. Das deutsche Arbeiter von Kommunisten aufgehetzt werden konnten und bewaffnet gegen ihre ehemaligen Frontkameraden vorgingen, ist ein dunkles und tragisches Kapitel der deutschen Geschichte. Was der Arbeiter und seine Familie vom Kommunismus wirklich zu erwarten hatte, zeigte sich ab 1920 in der neu gegründeten Sowjetunion: Bürgerkrieg, Hunger, Seuchen, Massenmord aus politischen Gründen mit Millionen von Toten und massive Unterdrückung – so sah das “Paradies” der Arbeiter aus! Traurig, dass dafür 1920 auch an der Ruhr deutsches Blut vergossen wurde.

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