Bombenterror: Aktionen zum 12. März 1945

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Am 12. März 1945 flogen alliierte Bomber die schwersten Luftangriffe, die Dortmund im zweiten Weltkrieg zu erleiden hatte. Um an die Zerstörung und das Leiden der Zivilbevölkerung zu erinnern, führten Aktivisten der Partei DIE RECHTE verschiedene Aktivitäten durch. Bereits in der Nacht zum 12. März 2013 wurden in der Dortmunder Innenstadt Gedenktafeln angebracht und Kerzen entzündet, um auch in der Bevölkerung die Erinnerung an dieses schicksalhafte Ereignis wieder hervorzurufen. Am Dienstag, dem Jahrestag der Bombardierung, wurde ein Gedenkrundgang durch den Stadtteil Dorstfeld durchgeführt, um am Beispiel des westlichen Stadtteils die Folgen der Luftangriffe aufzuzeigen.

Gezielt wurden jene Orte aufgesucht, die untrennbar mit den Ereignissen vor 68 Jahren verbunden sind. Zunächst führte der Rundgang die Teilnehmer zum S-Bahnhof Dortmund-Dorstfeld, der selbst zwar erst lange Zeit nach dem Krieg gebaut wurde, aber an der Zugstrecke liegt, die zum ehemaligen Südbahnhof führte, welcher zur damaligen Zeit als Hauptbahnhof fungierte und bei den Bombenangriffen nahezu völlig zerstört wurde. Anschließend ging es weiter zur katholischen Pfarrkirche St. Barbara an der Teutoburger Straße, die ebenfalls stark zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde. In zwei interessanten Kurzvorträgen wurde die Geschichte des Südbahnhofes und der Kirche und deren Beschädigungen durch die Bombenangriffe am 12. März noch einmal verdeutlicht. Außerdem wurden auch hier Gedenktafeln angebracht und Kerzen entzündet, um ein würdevolles Gedenken an die Opfer zu ermöglichen. Bei einer anschließenden Saalveranstaltung hielt ein Aktivist einen ausführlichen Vortrag, in dem er den gesamten Verlauf der Angriffe, sowie deren Folgen, erläuterte. Im Folgenden ist der Vortrag noch einmal nachzulesen, auch bei Twitter kann die Bombardierung nachbetrachtet werden, weiterhin sind einige Bildimpressionen der Gedenkaktionen veröffentlicht:

 Die Bombardierung der Stadt Dortmund am 12. März 1945

Um die Bedeutung der Ereignisse jenes Tages richtig einordnen zu können, sollte zunächst ein Blick auf den Zeitpunkt dieses Vernichtungsangriffes gegen die Stadt Dortmund geworfen werden. Die Bombardierung diente weder der Zerstörung kriegswichtiger Ziele, noch hätte sie eine entscheidende Bedeutung für den Ausgang des Krieges haben können. Als die Alliierten am 12. März 1945 die Stadt Dortmund bombardierten, war der Krieg im Prinzip bereits entschieden und es war nur noch eine Frage der Zeit bis zur Kapitulation des Deutschen Reiches, welche dann ja auch knappe zwei Monate später erfolgte. Zum Zeitpunkt des Luftangriffes lag die Niederlage der deutschen Wehrmacht bei der Kesselschlacht um Stalingrad bereits zwei Jahre zurück und die rote Armee war im Osten unablässig auf dem Vormarsch Richtung Berlin. Im Westen waren die Alliierten neun Monate zuvor, am 06. Juni 1944 (dem sogenannten „D-Day“) in der Normandie gelandet und von Frankreich aus immer weiter nach Deutschland vorgerückt.

Zu dieser Zeit flog vor allem die britische Royal Airforce unter ihrem Oberbefehlshaber Sir Arthur Harris immer weiter Angriffe gegen deutsche Städte, um die Moral der deutschen Bevölkerung zu brechen. Bezeichnet wurde diese Kriegsstrategie als „Moral-Bombing“ – wobei es sich hierbei um nichts weiter als ein Kriegsverbrechen, nämlich einen Massenmord an der deutschen Zivilbevölkerung, handelt. Rund vier Wochen vor dem Großangriff auf Dortmund hatte die britische Regierung bereits die Stadt Dresden in Schutt und Asche legen lassen. Auch wenn zahlreiche Städte den britischen Terrorbombern zum Opfer fielen, sind die Luftangriffe auf Dresden wohl jene gewesen, die heute noch am häufigsten thematisiert werden. Grund hierfür dürfte vor allem die extrem hohe Opferzahl gewesen sein, die sich aus der großen Menge an Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten ergab, die dort zu diesem Zeitpunkt Schutz gesucht hatten. Getreu dem Motto „Die Sieger schreiben die Geschichte“ werden die Opferzahlen jener Angriffe heute beschönigt und gezielt heruntergerechnet – sowohl in Dresden als auch in Dortmund!

Bereits im Mai 1943 gab es die ersten Luftangriffe gegen Dortmund. In der Nacht vom 04. auf den 05. Mai hatte ein Verband der Royal Airforce, bestehend aus fast 600 viermotorigen Maschinen, einen Großangriff gegen die Stadt geflogen. Der zweite schwere Angriff erfolgte dann vom 23. auf den 24. Mai, als 826 Bomber erstmals über 2000 Tonnen Bomben in einer Nacht abwarfen. Als Folge dieses Angriffes stellten die Hoesch Stahlwerke ihre Produktion ein und der Propagandaminister des Deutschen Reiches, Joseph Goebbels, schrieb in sein Tagebuch: „Die Berichte, die aus Dortmund kommen, sind ziemlich grauenerregend. […] Wir befinden uns in einer hilflosen Unterlegenheit und müssen die Schläge der Engländer und Amerikaner mit verbissener Wut entgegennehmen.“ Insgesamt erzeugten diese beiden Großangriffe über 9000 Brände, töteten 1300 Menschen und machten über 130.000 obdachlos. Die Reihe der Großangriffe auf Dortmund setzte sich dann am 06. Oktober 1944 fort, als bei einem 40 minütigen Bombardement über 1000 Menschen getötet und 60.000 obdachlos wurden.

Interessant ist hierbei der Vergleich mit den Opferzahlen nach den Angriffen der deutschen Luftwaffe auf die englische Stadt Coventry. Diese Angriffe gingen als „Coventry Blitz“ in die Geschichte ein und werden immer wieder als Rechtfertigung für die Bombardierung deutscher Städte genannt. Insgesamt betrug hier die Zahl der Todesopfer im Zeitraum von 1940 bis 1942 etwa 1200 – Ziel der Angriffe waren jedoch die Fabriken und die industrielle Infrastruktur und nicht die Zivilbevölkerung! Auch die Bombardierung Londons und Birminghams lässt sich nicht einmal im Ansatz mit den Folgen der Angriffe auf deutsche Städte vergleichen.

Am 12.03.1945 erfolgte dann der schwerste Luftangriff auf europäischem Boden im Verlauf des 2. Weltkrieges. Die Royal Airforce hatte 1069 Flieger geschickt, die innerhalb einer dreiviertel Stunde mehr als 5000 Tonnen Sprengbomben abwarfen und die gesamte Stadt Dortmund in Trümmer legten. Neben der Zerstörung von Bahnanlagen und anderen Verkehrsverbindungen, um das Ruhrgebiet zu isolieren, wurden 95% des Stadtkerns gänzlich zerstört. In mehreren Angriffswellen griffen die britischen Flieger immer wieder die Stadt an und töteten in nur 45 Minuten 6341 Menschen – hierbei handelt es sich um die offizielle Zahl der standesamtlich dokumentierten Toten, die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte weitaus höher liegen. Die ersten Bomben fielen um 16:24 auf den Südosten der Stadt, betroffen war insbesondere der Verschiebebahnhof Dortmund-Süd. Gegen 16:30 Uhr begann dann der Hauptangriff, der sich gegen den Westen und Norden der Stadt richtete. Eine Luftabwehr war zu diesem Zeitpunkt nur noch sporadisch vorhanden, die Reste der deutschen Luftwaffe wurden zur Verteidigung von Berlin eingesetzt und die Zivilbevölkerung war dem Angriff schutzlos ausgeliefert – viele schafften es nicht einmal mehr in die Luftschutzbunker, bevor die Bomben fielen.

Die britischen Bomber griffen wahllos das gesamte Stadtgebiet an, die Zerstörungen zogen sich von den Westfalenhallen bis zum Stadtteil Fredenbaum. Auf Grund der dichten Wolkendecke, die an diesem Tag über der Stadt hing, wären gezielte Angriffe auf militärische Einrichtungen auch theoretisch gar nicht mehr möglich gewesen. Zur Orientierung wurden gleißend helle Leuchtkaskaden sowie weiße, grün- und rotfarbige Rauchmarkierungen über der gesamten Zielzone abgeworfen. In den folgenden Tagen hatten die Überlebenden mit den Folgen des Angriffes zu kämpfen – 70% aller Häuser waren vernichtet worden. In der Dortmunder Stadtchronik heißt es dazu „Dortmund hatte damit sein städtebauliches Gesicht, das in der Zeit von 1890 bis 1930 entscheidend geprägt worden ist, im Hagel der Bomben völlig verloren.“ Zusätzlich zur daraus resultierenden Obdachlosigkeit von mehr als hunderttausend Menschen, waren alle Verkehrsmittel, das Kanalisationsnetz, sowie die komplette Strom-, Wasser und Gasversorgung zerstört worden. Wie viele Opfer Krankheiten und Versorgungsmangel in den Wochen darauf forderten, ist nirgendwo vermerkt. Während in den Anfangsjahren des 2. Weltkrieges noch eine „Kriegschronik der Stadt Dortmund“ geführt wurde, welche bei den ersten Angriffen die genauen Abläufe, Zerstörungen und Todeszahlen auflistet, wird diese gegen Ende des Krieges immer unvollständiger und berichtet über die Ereignisse vom 12. März nur noch sehr undetailiert.

Die folgenden Zeitzeugenberichte schildern eindrucksvoll das Ausmaß der Angriffe und Zerstörungen:

Zeitzeugin Elisabeth B erlebte den schweren Angriff auf Dortmund am 12. März im Stadtteil Scharnhorst. In einem Brief an eine Verwandte schilderte sie zwei Tage später dieses Ereignis: „Vorgestern haben die Engländer wieder unsere Stadt mit Bomben belegt. Der Angriff war unheimlich schlimm und hat alles kurz und klein geschlagen. Gott sei Dank, dass die Kinder in Baden sind, so sind sie wenigstens sicher vor allem. Mit den Nachbarn saß ich im Keller. Über eine halbe Stunde saßen wir da, und es nahm kein Ende. Draußen ist alles kaputt, so richtig am Ende. Ich habe immer gedacht, dass die letzten Angriffe schon schlimm genug waren, doch der vorgestrige Angriff hat alles in den Schatten gestellt. Die Toten und Verletzten kannst Du gar nicht mehr zählen, so viele sind das. Bei uns lagen gestern noch welche auf der Strasse, ohne dass sich jemand um die gekümmert hat. Von der Partei lässt sich kaum einer mehr blicken. Immer nur Alarm und diese schreckliche Unruhe. Vor ein paar Tagen haben Tiefflieger sogar unsere Strasse beschossen. Wo das alles enden soll, weiß niemand mehr.“

Zeitzeuge Dr. Hermann Ostrop – nach dem Einmarsch der US-Truppen kurzzeitig Dortmunder Oberbürgermeister, erlebte den Angriff im sog. Befehlsbunker bei der Marie-Reinders-Schule in der Landgrafenstraße. Er fasste seine Wahrnehmungen wie folgt zusammen: „Das Inferno dauerte eine volle Stunde, mit Unterbrechungen von nur wenigen Minuten zwischen den einzelnen Wellen. Selbst der Bunker vibrierte dauernd unter den schweren und schwersten Einschlägen in nächster Nähe, von denen auch mehrere – allerdings nicht von den schwersten Kalibern – die Bunkerdecke trafen, ohne durchzuschlagen. In unserem Raum war ein solcher Staub, dass man sich gegenseitig kaum sehen konnte. Trotz der winkeligen Eingänge zum Bunker wurden die Türen bei jedem Einschlag in der Nähe aufgerissen und mussten von den in unseren Raum geflüchteten Flaksoldaten krampfhaft festgehalten werden. Um die Einwirkungen des Luftdrucks abzuschwächen, lagen die meisten anwesenden Personen flach auf dem Boden. Die Stunde wurde endlos lang und als der Angriff endlich zu Ende war, stürmte ich heraus, um mich klopfenden Herzens nach meinem Haus und den Bekannten umzusehen. Draußen ein erschütterndes Bild der Verwüstung: Nur Trümmer, Rauch, Staub, Qualm und Flammen. Mit dem ersten Blick übersah man, dass jetzt auch der Süden Dortmunds nur noch eine Ruinenstadt eine Steinwüste darstellte.“

Am 13. April 1945 wurde die Stadt offiziell von den Alliierten besetzt und der 2. Weltkrieg war damit für Dortmund vorrüber. In den Wochen zwischen dem 12. März und der Besetzung flog die Royal Airforce jedoch immer wieder Angriffe und richtete weitere Zerstörungen an – sofern dies überhaupt noch möglich war. Die Ruhrmetropole hat innerhalb des Krieges 200.000 Einwohner verloren, ihre Zahl reduzierte sich von 540.000 Personen vor Kriegsbeginn auf 340.000 nach dem 13. April 1945. Nach offiziellen Angaben wurden 137 Luftangriffe auf Dortmund geflogen, dabei wurden 25.000 Sprengbomben und 500.000 Brandbomben abgeworfen und insgesamt 90 Prozent von 40.000 Mehrfamilienhäusern mit 144.000 Wohnungen zerstört.

Die britischen Besatzer hielten eine Wiedererrichtung der Stadt im Gebiet des ehemaligen Stadtkernes auf Grund der massiven Zerstörungen zunächst für unmöglich und planten kurzzeitig die Neuerrichtung außerhalb der ehemaligen Innenstadt. Dass dies dennoch gelang ist jedoch nicht den Besatzungsmächten zu verdanken, ein heute in der Öffentlichkeit weit verbreiteter Irrglaube, sondern der deutschen Zivilbevölkerung, insbesondere den „Trümmerfrauen“. Trotz Hunger, Elend und Zerstörung konnte die Tatkraft und der Wille dieser Menschen nicht gebrochen werden, ihre Stadt aus den Trümmern wieder aufzubauen. Wie ein englischer Offizier später erklärt hatte, wollten die Briten mit dem Angriff einzig und allein das Chaos vergrößern, um den Widerstandswillen der verbliebenen Bevölkerung zu brechen.

Kein Vergeben, kein Vergessen – Alliierter Kriegsverbrechen!

Eine der Gedenktafeln in der Innenstadt

Die Erinnerung stirbt nicht

Stadtteilrundgang durch Dortmund-Dorstfeld

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