10. Juni 1923: Sieben vergessene Morde

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Als im Januar 1923 die französische Armee – unterstützt durch belgische Truppen – in das Ruhrgebiet einrückte, nachdem Deutschland die unmöglich zu erfüllenden Forderungen des Versailler Vertrags nicht mehr aufbringen konnte, bedeutete dies einen massiven Eingriff in die nationale Souveränität. Empört über diesen Unrechtsakt stand die Bevölkerung des Ruhrgebietes zusammen und leistete passiven Widerstand, indem die Fabriken ruhten, der Schienenverkehr sabotiert wurde und die Infrastruktur systematisch lahmgelegt wurde. Ziel war es, einen Raub deutscher Güter durch die Franzosen zu verhindern. Sichtbar verärgert über diesen unplanmäßigen Widerstand, der von einem – militärisch niedergeschlagenen – Land ausgeübt wurde, kam es täglich zu Willkürakten der französischen Truppen gegenüber der deutschen Bevölkerung.

In jenen Tagen, als der Freiheitskämpfer Albert Leo Schlageter mit seinen Kameraden den Besatzern Tag für Tag entgegentrat, ehe er nach einem Verrat festgenommen und in Düsseldorf durch ein französischen Militärgericht hingerichtet wurde, entlud sich der Hass der Franzosen auf die Deutschen. Auch Dortmund, ebenfalls besetzt, war betroffen: Am 9. Juni wurden in Dortmund zwei französische Soldaten von Unbekannten in der Beurhausstraße im Herzen der Stadt erschossen, was die Besatzer als Anlass nahmen, blutige Rache an Unschuldigen zu nehmen.

So wurde am 10. Juni, einem Sonntag, eine Ausgangssperre in Kraft gesetzt, die ab 21 Uhr gelten sollte – da aber mitten im Sommer viele Dortmunder ihre Wochenenden außerhalb verbrachten, erreichte die Nachricht nur einen Teil der Bevölkerung. Die anderen, die am späten Sonntagabend zu ihren Wohnungen und Häusern zurückkehren wollten, wurden durch französische Truppen angegriffen, da ihnen eine Missachtung der Ausgangssperre vorgeworfen wurde. Sieben deutsche Männer, allesamt Zivilisten, fielen den französischen Kugeln zum Opfer und verstarben in dieser Nacht, die als „Dortmunder Bartholomäusnacht“ in die Geschichte eingehen sollte. Zahlreiche weitere wurden verletzt. Heute, auf den Tag 90 Jahre später, erinnert niemand an dieses Schicksal und selbstredend gibt es nicht einmal eine Gedenktafel, mit der dieses Verbrechen in Erinnerung gehalten wird. Zu sehr sind die führenden Kreise in unserer Stadt und unserem Land damit beschäftigt, den Opfern der Deutschen zu gedenken, statt den Deutschen Opfern zu gedenken.

Das Verbrechen vom 10. Juni 1923 ist aber unvergessen, ebenso, wie der heldenhafte Widerstand gegen die französischen Besatzer, die sich 1925 schließlich aus dem Ruhrgebiet zurückzogen. Vielleicht brechen in Deutschland einmal bessere Zeiten an, wo den Opfern ein würdiges Gedenken zukommt, mit dem nachfolgenden Generationen die Geschichte unseres Volkes vermittelt, das sich im Völkerringen seit je her behaupten musste und es auch in Zukunft muss, wenn es nicht im Zuge der multikulturellen Gesellschaft untergeht.

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1 Kommentar

  1. Mein Vater wohnte in der Beuerhausstr und hat zu Lebzeiten von dem Widerstand gegen die Franzosen erzählt. Es ging sogar über die Dächer der 6 Stöckchen Häuser. GIBT ES AUS DIESER Zeit Berichte?

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