NRW

Gegenwind: Antifa-Fotograf vor dem Aus

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Das hatte sich der Antifa-Fotograf Mark S. (über den das „DortmundEcho“ bereits im August ausführlich berichtete) wohl anders vorgestellt: Als er am 9. November wieder einmal unterwegs war, um bei einer PRO-NRW-Demonstration in Duisburg politisch Andersdenkende abzufotografieren, schien es fast ein normaler Samstag zu sein. Wie immer wurden die geschossenen Bilder anschließend auf einer Internetseite veröffentlicht, die Mark S. zuzurechnen ist, weiterhin erschien ein Artikel auf der linksextremen Plattform „Indymedia Linksunten“, der den Titel „Neumühl – Ein Dorf voller Nazis“ trug, gespickt mit Bildern, die aus der Kamera von Mark S. stammen. Zu finden waren dort ganz normale Bürger, die ihren Unmut über die Asylanteneinwanderung zum Ausdruck bringen wollten, aber auch ein Staatsschutzbeamter, der von S. wohl für einen „Nazi“ gehalten wurde.

Was folgte, war eine wütende Reaktion der Abgebildeten, die ihrem Zorn unter anderem auf der Nachrichtenseite „PI News“ Ausdruck verliehen. Immer mehr Details über die persönlichen Lebensumstände von Mark S., der auch in Dortmund regelmäßig Andersdenkende an den virtuellen Pranger stellt, wurden bekannt – ein klassisches „Outing“, nur einmal andersrum.

Diesen Druck nicht gewöhnt, bekam es Mark S., der in der Vergangenheit schon des Öfteren den Flitzer gemacht hat, wenn ihm fotoscheue Zeitgenossen die Grenzen seiner fotografischen Tätigkeiten aufzeigen wollten, mit der Angst zu tun: „Nachdem Pro Nrw ja eine sehr starke Hetze gegen mich verbreitet und die auch meine Adresse von meinen Eltern haben, muss jetzt von nun an meine fotografische Tätigkeit bei Pro-Veranstaltungen für immer einstellen“ (Fehler im Original) jammerte er auf seinem Facebook-Profil und erwartet offensichtlich Mitleid. In einem alten Sprichwort heißt es treffend „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“ – das gilt wohl auch für linksextreme Pseudojournalisten, die zwar gerne austeilen, aber nicht den geringsten Gegenwind einstecken können.

So verwundert auch eine Nachricht, die von Mark S. später an die abgebildeten Bürger verfasst wurde, nicht mehr: In dem Schreiben, das beim sozialen Netzwerk Facebook kursiert, entschuldigt sich S. für die Anfertigung der Bilder und gibt an, es sei nicht seine Absicht gewesen, die Teilnehmer der Demonstration in Duisburg als „Nazis“ zu denunzieren. Gleichzeitig kündigt er an, seine Bildaufnahmen bei zukünftigen Veranstaltungen der Pro-Bewegung einzustellen. Ausschlaggebend für diesen plötzlichen Umschwung dürfte jedoch nicht die plötzlich aufkommende Selbstkritik von Mark S. an seinem eigenen Verhalten sein, sondern wohl eher die Kontaktaufnahme zu dessen Arbeitgeber, sowie seinen Bekannten und Verwandten, welche durch diverse Wutbürger kontaktiert wurden, wie aus verschiedenen Kommentaren der Seite „PI News“ hervorgeht.

Ob Mark S., gegen den u. a. Strafverfahren wegen diverser Urheberrechtsverstöße, anhängig sind, seine Fototätigkeiten bei „richtigen Nazidemos“, gemeint sind damit wohl augenscheinlich Veranstaltungen der freien Kräfte, sowie der NPD und von DIE RECHTE, in Zukunft fortsetzt, will er selbst noch nicht entscheiden. Vielleicht, so sagt er, solle sein letzter Auftritt der Trauermarsch am kommenden Samstag (23. November 2013) in Remagen sein.

Jener Auftritt sollte ihm aber ordentlich vermiest werden, denn auch (und gerade) für einen Antifa-Journalisten sollten die Grenzen des Strafrechts nicht aufgehoben werden: Jeder Teilnehmer des Trauermarsches in Remagen wird aufgerufen, eine Strafanzeige gegen Mark S. zu stellen, wenn dessen Fotos später in strafbarer Form (Recht am eigenen Bild, § 22 KunstUrhG) auf den bekannten Internetseiten veröffentlicht werden. Dazu ist es hilfreich, eigene Fotografien zur Beweissicherung anzufertigen, mit denen – neben Zeugenaussagen – die Urheberschaft von S. eindeutig belegt werden kann.

Doch nicht nur vor Ort sollte Mark S. darauf hingewiesen werden, dass die Veröffentlichung von Bildaufnahmen, die das Ziel verfolgen, Nationalisten aufgrund ihrer politischen Gesinnung in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, eindeutig abzulehnen ist. Wer kennt aus seiner Kindheit nicht die Anrufe aus der Schule, mit denen durch die Lehrerschaft jedes Fehlverhalten gerügt wurde – genau so sollten alle, die der Meinung sind, dass eine politische Diskriminierung gegen Nationalisten frevelhaft ist, verfahren und selbst zu Lehrern werden. Ruft parallel zum Trauermarsch in Remagen bei Familie S. an und bringt euren Unmut über die unzulässige Bildveröffentlichung zum Ausdruck, beispielsweise, indem ihr kritisiert, dass Mark S. für seine deutschlandweiten Touren den Familien-PKW zur Verfügung gestellt bekommt und sein Umfeld diese Tätigkeit somit unterstützt – vielleicht sogar, ohne über diesen Umstand bisher Kenntnis erlangt zu haben. Unterlasst jedoch (strafbare) Beleidigungen oder Bedrohungen jeglicher Art, denn Argumente, mit denen auf das Umfeld von S. meinungsbildend eingewirkt werden kann, dürften zielführender sein, als stumpfe Pöbeleien. Die Kontaktdaten und eine Telefonnummer, unter der das direkte Umfeld von S. zu erreichen ist, sind – für jedermann öffentlich einsehbar – auf einer Telefonbuchseite zu finden.

Ergänzung 20. November 2013, 0.30 Uhr:
Die Internetseite “Linkes Fotoalbum”, auf welcher durch Mark S. angefertigte Demonstrationsbilder, in der Regel Potraitaufnahmen, zu finden waren, erklärt in eine kurzen Mitteilung eine vorrübergehende Arbeitseinstellung. “Liebe Ge­nos­sin­nen und Ge­nos­sen, das Lin­kes Fo­to­al­bum be­en­det für eine Zeit lang sein Fo­to­pro­jekt. MaG Lin­kes Fo­to­al­bum” heißt es dort. Zuvor hatte Mark S. sein Karriereende als Antifa-Fotograf bereits im sozialen Netzwerk Facebook angekündigt. Ob die zu erwartenden strafrechtlichen und politischen Folgen des betriebenen Hetzjournalismus ausschlaggebend für die Aktivitätseinstellung von S. sind, ist nicht bestätigt, liegt aber nahe. Für die Verteidiger von rechtsstaatlichen Prinzipien zumindest ein Erfolg und ein deutliches Zeichen, dass politischer Verfolgung durch Aufklärung begegnet werden kann.

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