Hirsch-Q: Technische Details der Videoüberwachung dominieren Tag 26

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Im Mittelpunkt des 26. Verhandlungstages im sogenannten „Hirsch-Q“-Prozess, der am Freitag (28. März 2014) stattfand, standen diverse technische Details: Das Gericht erhoffte Aufklärung, ob es möglich ist, das vorliegende Beweisvideo, auf welches sich die Staatsanwaltschaft stützt, auch in seiner neuesten Version verfälscht zu haben. Nachdem es zunächst im Dezember 2010 eine – optisch klar erkennbar – geschnittene Version des vermeintlichen Beweisvideos gab, bei der die Tatbeteiligung von linksextremen Kneipengästen herausgeschnitten wurde, überraschte der Kneipenbetreiber Maurice S. während des laufenden Verfahrens mit einer neuen, ungeschnittenen Version. Bis heute ist unklar, ob es sich bei jener Version ebenfalls um ein manipuliertes Video handelt.

Zwar besuchten zwei Beamte des polizeilichen Staatsschutzes erst vor wenigen Wochen erneut die „Hirsch-Q“, um jenes Band von einem dortigen PC zu kopieren, theoretisch ist es aber durchaus möglich (und angesichts der bereits erfolgten Manipulation eines ersten Videos auch nicht unwahrscheinlich), dass es sich auch bei der Kopie um eine Manipulation handeln könnte. Ein, als Zeuge bzw. Sachverständiger vernommener, Mitarbeiter der Firma Abus, der Firma, welche die in Rede stehende Überwachungskameraanlage konstruiert hatte, äußerte, eine Videomanipulation sei unwahrscheinlich, jedoch nicht auszuschließen und mit genügend technischer Kenntnis durchaus möglich. Dies konnte auch ein vernommener Polizeibeamter nicht ausschließen. Maurice S., zum wiederholten Male im Zeugenstand und mittlerweile auch von mehreren Ermittlungsverfahren wegen uneidlicher Falschaussage betroffen, betonte zwar, es habe nachträglich an der Datei, die lediglich zur Sicherung auf einem PC gelegen hätte, keine Änderung gegeben – dass es sich hierbei aber um eine Schutzbehauptung von S., der durch den Verfahrensverlauf gehörig in die Defensive gedrängt wurde, handelt, kann nicht ausgeschlossen werden.

Bezeichnend war hingegen die geplante Vernehmung des Nebenklägers Andreas J.: Dieser war am vergangenen Verhandlungstag durch die Auswertung bisher nicht bekannter Videosequenzen unter Verdacht geraten, Auslöser der Auseinandersetzung an jenem Dezemberabend im Jahr 2010 gewesen zu sein. Um einer erneuten, gerichtlichen Vernehmung zu entgehen, reichte J. ein Attest ein, woraus hervorgehen soll, dass er unter psychischen Problemen leide und weder heute, noch in Zukunft vernommen werden könne. Auch eine Möglichkeit, sich aus der sprichwörtlichen Affäre zu ziehen – durch das Gericht wurde aber bereits festgehalten, dass es sich wohl eher um einen schlechten Versuch handelt, den eigenen Tatbeitrag zu verschleiern.

Fortgesetzt wird der Prozess, der sein Ende nach aktuellem Stand gegebenenfalls sogar bereits im April 2014 finden könnte, am kommenden Freitag (4. April), wie üblich in Saal 130 des Dortmunder Landgerichtes.

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