Hirsch-Q: Videoverwertung an Tag 25 bringt neuen Tatverdächtigen ans Licht – den Nebenkläger!

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Vor dem Dortmunder Landgericht wurde am Montag (17. März 2014) der sogenannte „Hirsch-Q“-Prozess fortgesetzt, bei dem sich nunmehr neun Männer und Frauen verantworten müssen, denen vorgeworfen wird, die linke Szenekneipe im Dezember 2013 überfallen zu haben. Im Mittelpunkt stand die erneute Vernehmung einer Gutachterin, die sich mit existierenden Videoaufnahmen auseinandergesetzt hatte und zu einem erstaunlichen Ergebnis kam: Der Nebenkläger wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit als diejenige Person identifiziert, welche durch einen mutmaßlichen Bierglaswurf die Auseinandersetzung überhaupt begonnen hatte.

Zu Beginn der Verhandlung wurde zunächst der Antrag des vergangenen Verhandlungstages, das Verfahren gegen einen Angeklagten einzustellen, bestätigt. Ihm seien – wenn überhaupt – nur geringfügige Straftaten nachzuweisen, wobei wohl eine erklärte Distanzierung von zukünftiger, politischer Betätigung den Ausschlag zu diesem Schritt des Gerichtes gegeben haben dürfte. Anschließend wurde erneut eine Gutachterin in den Zeugenstand berufen, welche über die Analyse des vermeintlichen Beweisvideos berichten sollte, die als Grundgerüst der Anklage dient, wobei nach wie vor fraglich ist, ob sämtliche Ausführungen überhaupt im Urteil Berücksichtigung finden. Nach wie vor ist unklar, ob die Filmaufnahmen, die durch den „Hirsch-Q“-Betreiber Maurice S. angefertigt wurden, widerrechtlich entstanden sind und somit ein Beweisverwertungsverbot vorliegt.

Die Ausführungen der Gutachterin unterschieden sich kaum von den Vorwürfen in der Anklage, bei denen verschiedene Tathandlungen, beispielsweise Tritte gegen die Scheibe der linken Szenekneipe, einzelnen Angeklagten mit Wahrscheinlichkeiten zugeordnet wurden, die zwischen „hoch“ und „sehr hoch“ variierten. Die Feststellung, dass eine Zuordnung zweifelsfrei möglich sei, wurde dagegen nicht gezogen – bezeichnend für das gesamte Verfahren, das mehr auf Spekulationen aufgebaut ist, als auf tatsächlichen Erkenntnissen. Überraschend war jedoch eine weitere Untersuchung der Gutachterin, die sich nicht in der Anklage wiederfindet: Nachdem Nebenkläger Andreas J. am 16. Verhandlungstag Mitte Dezember 2013 selbst unter Verdacht geraten war, auf einem neuen Teil der Videoaufnahmen als Verursacher der Auseinandersetzung erkennbar zu sein (deutlich sichtbar war eine Person, die – offenbar grundlos – ein Bierglas in Richtung einer weiteren Personengruppe warf), regte das Gericht eine erkennungsdienstliche Behandlung beider Nebenkläger an. Auf Grundlage dieser Fotografie und Vermessung konnte die Gutachterin rund drei Monate später mitteilen, dass die handelnde Person mit hoher Wahrscheinlichkeit der Nebenkläger und Zeuge Andreas J. sei – ein weiterer Rückschlag für die Linksextremisten, denen die nächste Anzeige wegen Falschaussage droht, nachdem schon Altpunker Frank L. und „Hirsch-Q“-Wirt Maurice S. durch offensichtlich falsche Angaben versuchten, ihren Kopf aus der sprichwörtlichen Schlinge zu ziehen.

Jener Andreas J. hatte seinerzeit angegeben, sich im Kneipeninneren an einem Kickertisch aufgehalten zu haben, als die Auseinandersetzung begann: Die neuen Erkenntnisse, die ihn – auf der Straße vor der „Hirsch-Q“ stehend – als Ausgangspunkt der Eskalation zeigen, lassen nicht nur die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen gegen 0 tendieren, sondern dürften auch Anhaltspunkt für weitere Ermittlungen und eine erneute Vernehmung sein.

Wie vor den regelmäßigen Vorführungen des Videomaterials, welches mittlerweile fast an jedem Verhandlungstag mehrmals gezeigt wird, beantragte die Verteidigung erneut ein Beweisverwertungsverbot, welches sich auch auf die Ausführungen der Gutachterin erstrecken soll, da diese illegal erlangtes Material als Ausgangspunkt für ihre Untersuchungen verwendete. Eine Entscheidung, ob tatsächlich Voraussetzungen für eine Beweisverwertung vorliegen, dürfte jedoch erst im Urteilsspruch der Richter fallen, wenngleich die gängige Rechtsprechung einen solchen Schluss durchaus zulässt. Zwar dürften dann auch die Bilder des gewalttätigen Nebenklägers nicht mehr verwendet werden, aber vielleicht bringt die erneute Vernehmung ohnehin ausreichende Klarheit, um zusätzliches Videomaterial verzichtbar werden zu lassen.

Fortgesetzt wird der Prozess am kommenden Montag (24. März 2014). Wann mit einer Urteilsverkündung zu rechnen ist, bleibt unklar, jedoch wohl frühestens im Sommer 2014.

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