Kurzpotrait: Das war der Dortmunder Nazi-Tatort

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Bedingt durch einen vorherigen Frankreich-Brennpunkt, begann der Dortmunder „Nazi-Tatort“ gegen 20.30 Uhr – wie in der Vorschau schon verkündet, mit einem Mord am fiktiven „Nazianführer“ Kai Fischer. In den nächsten 88 (!) Minuten hatte das Ermittlerteam um Kommissar Faber, mittlerweile in den Dortmund-Tatorten eine Art Kultfigur, einige Spuren zu verfolgen, um letztendlich einen ihrer Kollegen als den Mörder Fischers festzunehmen. Der Film ist an vielen Stellen, insbesondere auftretende Charaktere und auch politische Agitationsformen bzw. Themen nah an der Realität, weicht aber teilweise so deutlich ab, dass ein schwieriger Spagat zwischen Wirklichkeit und Fiktion entsteht.

Viele handelnde Figuren, beispielsweise die Leiterin einer Anti-Rechts-Beratungsstelle mit dem Namen „Stand Up“ oder ein rechter Student, der einen Internetversandhandel betreibt, lassen sich in die politische Wirklichkeit übertragen. Auch die Drehkulisse im Stadtteil Dorstfeld, wo es die “Dorstfelder Front” und die “Nationalen Sozialen” geben soll, dürfte nicht zufällig gewählt worden sein. Skandalträchtig bekommt der – eigentlich sonst ziemlich langweilig wirkende – Tatort seine Spannung über spektakuläre Überfälle auf eine türkische Ermittlerin oder stumpfe, rassistische Pöbeleien, die wohl zeigen sollen, welchen Hass nationale Deutsche in sich tragen. Dass sich die Drehbuchautoren mit der Polizei im Vorfeld zusammengesetzt haben, um einen lebensnahen Ablauf zu finden, ist zwar zu spüren (mitunter auch durch die Randereignisse in der Nordstadt, wo marodierende Ausländerbanden die Polizei in Schach halten), die vielen internen Dispute der Ermittler, die selbst mit Lebenskrisen zu kämpfen haben, wirken aber – zumindest in dieser Form – ein wenig lebensfremd. Auch den Mörder letztendlich in einem Polizisten zu suchen, der früher einmal rechtspolitisch aktiv gewesen sein soll, scheint mit der Realität im Jahr 2015 nur schwer vereinbar: Jeder, der sich in irgendeiner Form auch nur national äußert, wird seinen Lebtag keinen Dienst als Polizist verrichten. Auch hier musste wohl etwas weiter hergeholt werden, um dem Film eine gewisse Dramaturgie zu verschaffen – letztendlich wirkte die Wende der Ermittlungen am Ende auch ein wenig abrupt.

Tatsächlich war der Dortmunder Tatort nicht einmal die erwartete Hetze, sondern hat teilweise durchaus realistische Situationsbilder dargestellt, wenngleich natürlich versucht wurde, die „Rechtsextremisten“ in keinem guten Licht erscheinen zu lassen und die Keule der Asozialität immer mitgeschwungen ist. Wer den Film verpasst hat, kann ihn im Übrigen hier ansehen oder auch herunterladen. Wer auf Krimis steht, die sich an der Wirklichkeit orientieren, findet seinen Geschmack – auch wenn einiges zu weit hergeholt ist.

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