Landgericht: 70 Vergewaltigungen vorgeworfen – Prozess gegen 26-Jährigen aus Lütgendortmund eröffnet!

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Ein aufsehenerregender Prozess hat am Dienstag (26. April 2016) vor dem Landgericht Dortmund begonnen: Der 26-jährige Türke Muhammet Akif K. muss sich wegen schwerwiegender Vorwürfe verantworten, konkret wirft ihm die Staatsanwaltschaft nicht nur den zweifachen, sexuellen Missbrauch eines Kindes, sondern zudem noch über 70 Vergewaltigungen vor, die der bekannte Lütgendortmunder begangen haben soll (das „DortmundEcho“ berichtete). Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte, dem kaum fassbare Verbrechen vorgeworfen werden, äußerst verängstigt: Über die gesamte Verhandlungsdauer hatte er ein Blatt Papier vor sein Gesicht gehalten, wich Augenkontakt mit Zuschauern aus. Teile des ersten Verhandlungstages, sogar die Verlesung der Anklageschrift, fanden zudem unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da die Privatsphäre des mutmaßlichen Täters, sowie seines Opfers, das zu Beginn der angeklagten Übergriffe im August 2013 gerade einmal 13 Jahre alt gewesen sein soll, geschützt werden solle.

Angeklagter will sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern

Ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit soll die Aussage des Angeklagten erfolgen, der nach Angaben der „Ruhr Nachrichten“ über seine Verteidigerin mitteilen ließ, die Vorwürfe zu bestreiten. Tatsächlich dürfte die Entscheidung des Gerichtes letztendlich auf einem Indizienprozess beruhen, bei dem ein Geständnis nicht zu erwarten ist. Nach bisherigem Stand erscheinen aber die Vorwürfe der Anklageschrift durchaus glaubwürdig, auch durch die Vernehmung von zwei Polizisten gestützt wird, die am ersten Verhandlungstag vernommen wurden.

Mädchen schilderte Übergriffe unter Tränen

Aufgenommen wurden die Ermittlungen nicht etwa durch eine Anzeige des Mädchen, sondern durch eine Zeugenvernehmung Anfang 2015, die eigentlich eine Bedrohung eines Bekannten durch den Angeklagten K. zum Gegenstand hatte und in deren Verlauf der vernehmende Polizeibeamte, der als Zeuge bei Gericht vernommen wurde, herausfand, dass zwischen dem – damals 24-jährigen – Angeklagten und der anfangs 13-Jährigen ein sexuelles Verhältnis bestanden haben soll, was – unabhängig von einer eventuellen Zustimmung – einen sexuellen Missbrauch darstellt. Unter Tränen habe das Mädchen anschließend geschildert, dass sie in der nachfolgenden Zeit, in der sie das Verhältnis beenden wollte, unter Androhung von Gewalt und erfolgten Schlägen zu regelmäßigem Geschlechtsverkehr gezwungen worden sein soll. Die psychische Situation des Mädchens soll so angeschlagen gewesen sein, dass der Polizeibeamte die weitere Vernehmungsführung einer weiblichen Beamtin überlies, um die Privatsphäre des mutmaßlichen Opfers zu schützen, habe zudem auch ihre Mutter den Raum verlassen. Noch am selben Tag fertigte der Polizist eine Mitteilung über den Verdacht einer Sexualstraftat und übermittelte diese von Castrop-Raxuel, wo die Zeugenvernehmung stattfand, nach Dortmund.

“Wenn das gespielt war, hätte sie einen Oskar verdient“

Für die Entscheidung des Gerichts wird die Glaubwürdigkeit des Mädchens eine entscheidende Rolle spielen. Zumindest der vernehmende Polizeibeamte zeigte sich sicher, dass die Emotionen „echt“ gewesen seien und das Mädchen die Geschichte nicht erfunden habe, andernfalls „hätte sie einen Oskar verdient“, führte der Beamte aus. Seitens der Verteidigung K.s wurde jedoch nachgefragt, ob es schon einmal in der Vergangenheit eine Zeugenaussage des Mädchens bei einem Prozess wegen Körperverletzung gegen einen ihrer Bekannten gegeben habe, bei dem sie gelogen hätte, um diesen vor einer Strafverfolgung zu schützen. Dies bejahte der Polizist und gab an, dass sie in ihrer Zeugenvernehmung von der Falschaussage erzählt habe, mit der sie einen Freund habe schützen wollen. Ob sich diese „Gefälligkeitsaussage“ jedoch mit den massiven Vorwürfen im Hinblick auf Sexübergriffe gegen die eigene Person vergleichen lässt, darf indes bezweifelt werden, aus Sicht der Verteidigung wird jedoch scheinbar versucht, an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers zu zweifeln.

Staatsanwaltschaft verzichtete auf Haftbefehl gegen den Angeklagten

Ein weiterer Polizeibeamte schilderte dem Gericht die ersten Schritte, die nach Übernahme der Ermittlungen durch die Dortmunder Polizei erfolgten, unter anderem einer Wohnungsdurchsuchung, die jedoch ergebnislos verlief: Nach dem Ergebnis der Ermittlungen soll es Fotoaufnahmen von Sexübergriffen auf dem Handy des Angeklagten gegeben haben, den die Beamten jedoch nicht antreffen konnten und lediglich mehrere Speichermedien in der – gemeinsam mit seinem Bruder bewohnten – Wohnung beschlagnahmten, deren Auswertung ergebnislos blieb. Auch wäre K. vorgeladen worden und zu einer Vernehmung erschienen, hätte aber nach Erörterung der strafrechtlichen Vorwürfe die Aussage verweigert und angekündigt, anwaltlichen Beistand nehmen zu wollen. Unklar blieb, weshalb die Staatsanwaltschaft seinerzeit auf die Verhängung eines Haftbefehls verzichtete, dessen Prüfung durch den Polizeibeamten angeregt worden war, denn sowohl die komplizierte Aufenthaltssituation des Angeklagten, sowie die zu erwartende Strafhöhe, dürften gleich in mehrerer Hinsicht auf eine bestehende Fluchtgefahr hingewiesen haben.

Prozess ist bis Ende Mai 2016 terminiert

Ob der sexuelle Kontakt letztendlich einvernehmlich war oder – wofür nach Auffassung von Prozessbeobachtern – bisher die gewichtigeren Argumente sprechen, die angeklagten Sexübergriffe durch den Angeklagten begangen wurden, wird der weitere Verlauf der Hauptverhandlung ergeben. Alleine das Verhältnis eines 24-jährigen Mannes mit einem 13-jährigen Mädchen ist jedoch moralisch verwerflich und stellt strafrechtlich, sofern es zu den vorgeworfenen Kontakten gekommen ist, einen sexuellen Missbrauch dar. Wer kindliche Unreife zur Befriedigung sexueller Gelüste ausnützt, begeht kein Kavaliersdelikt, sondern greift massiv in die Entwicklung eines Menschen ein, von den überdies erhobenen Vergewaltigungsvorwürfen ganz zu schweigen. Eine öffentliche Begleitung des Prozesses, zu dem sich am ersten Verhandlungstag neben nationalen Aktivisten auch Lütgendortmunder, denen der Angeklagte teils sogar persönlich bekannt ist, einfanden, ist deshalb zu begrüßen. Zu beachten ist jedoch, dass auch an weiteren Prozesstagen Teile der Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden werden.

Momentan anberaumt sind als weitere Verhandlungstermine der 29. April, sowie der 10., 17. und 30. Mai 2016, der genaue Verhandlungsbeginn ist entweder im Vorfeld der Anzeigetafel am Landgericht zu entnehmen oder telefonisch dort zu erfragen, wenn diesbezügliche Veröffentlichungen ausbleiben. Ob am 30. Mai 2016 tatsächlich mit einem Urteil zu rechnen ist, dürfte sich an den nächsten Verhandlungstagen abzeichnen!

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