Dorstfeld-Süd: Altlasten-Skandal und kein Ende!

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Es begann vor 35 Jahren, im Sommer 1981, als im Neubaugebiet Dorstfeld-Süd Baugruben ausgehoben wurden – auf einmal lief eine ölige und stark nach Chemie riechende Flüssigkeit aus dem Erdreich in die Baugruben und bildete auf Wasserpfützen am Boden der Baugruben bunt schillernde Farbspiele. Auch konnte man am seitlichen Bodenquerschnitt der Baugruben stark und unnatürlich verfärbte Erdschichten und Mauerreste erkennen. Der unerträgliche Chemiegestank roch stark nach der organischen Stoffgruppe der „Aromaten“, dessen bekanntester Vertreter das Benzol, ein typisches Produkt der Kokereien ist und das einen wichtiger Grundstoff für die chemische Industrie darstellt. Die Aromaten gelten allgemein als krebserregend und speziell das Benzol ist neben seiner akuten Giftigkeit und seiner Explosionsgefahr auch als Auslöser von Blutkrebs (Leukämie usw.) bekannt – die sogenannte „Kokerei-Krankheit“.

Benzol wurde schon 1981 in Dorstfeld-Süd festgestellt

Wie gefährlich Benzol ist, zeigt die Tatsache, dass es bereits bei einem Luftvolumenanteil von zwei Prozent Benzol in der Atemluft bereits nach fünf bis zehn Minuten zum Tod von Personen kommen kann, die solchen Benzol-Dampfkonzentrationen ausgesetzt sind. Die akute letale – tödliche – Dosis bei Aufnahme in den Körper (oral) beträgt beim Menschen 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Zwischen einem Luftvolumenanteil von 1,4 bis 8 Prozent bildet Benzol explosive Gemische mit der Umluft und benötigt zur Explosion nur relativ geringe Zündenergien. So kam es 1981 in Dorstfeld-Süd dann auch bei den eingesetzten Bauarbeitern zu akuten Vergiftungserscheinungen wie Unwohlsein, Schwäche, Kopfschmerzen, Übelkeit und sogar Erbrechen. Daraufhin wurde das Gesundheitsamt der Stadt Dortmund eingeschaltet, dass auch flugs Proben entnahm, analysierte und Benzol feststellte. Aber dann – die wundersame Wende und die Feststellung des Gesundheitsamtes, dass an der freien Atmosphäre wohl keine Gesundheitsgefahr aus den damals noch „Bodenverunreinigungen“ genannten „Altlasten“ bestünde. Die erste Chance sinnvoll zu handeln war vertan!

Bebauungsplan von Stadtverwaltung trotz Bedenken aufgestellt

Nun sollte der Leser wissen, dass das Gesundheitsamt ein Teil der Stadtverwaltung Dortmund ist – jene Stadtverwaltung, die das gesamte Gelände in Dorstfeld-Süd von der Harpen AG gekauft hatte, den Bebauungsplan aufstellte und vom Rat der Stadt Dortmund – seinerzeit mit der „Mehrheitsfraktion“ vollständig von der SPD beherrscht – beschließen ließ. Auch die die preiswert erworbene und ursprünglich für „Industrienutzung“ vorgesehene Fläche mit hohen Gewinnen wurde ab 1980 als Grundstücke für Wohnbebauung verkauft. Der Chef der Verwaltung – der Posten, den heute der Oberbürgermeister bekleidet – war damals Harald Heinze (SPD) als Oberstadtdirektor, der später für seine „Verdienste“ von der SPD mit dem dreifachen Gehalt als langjähriger Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Stadtwerke DSW21 belohnt wurde – der Vorgänger des jetzigen DSW21 Chefs und ehemaligen SPD-Schatzmeisters und Stadtkämmerers Guntram Pehlke (SPD). Es besteht bis heute der begründete Verdacht, dass die Stadtverwaltung unter SPD-Führung die Gesundheit der Menschen aus Profitgründen auf das Spiel gesetzt hat und die offiziellen Stellen sich daher der Problematik nicht annehmen wollten oder sie verharmlosten!

“Benzol im Sand, Phenole im Urin”: Dorstfeld-Süd wurde zum Skandal

Da angeblich keine konkrete Gefahr bestand und niemand bereit war, die neuen Eigentümer der Grundstücke zu entschädigen bzw. die Grundstückskäufe rückgängig zu machen, wurde bis 1984 das Baugebiet Dorstfeld-Süd fertig gestellt. In den Neubauten trat dann auf einmal der penetrante Chemiegeruch in den Kellern der 216 neuen Häuser massiv auf. Nun durchgeführte Schadstoffmessungen und ein toxikologisches Gutachten von Prof. Dr. Schlipköter von der Universität Düsseldorf wiesen auf eine erhebliche Gefährdung der Gebäudebewohner hin. Das war die Grundlage, dass Dorstfeld-Süd zusammen mit Bielefeld-Brake – einer Wohnsiedlung auf einer alten Deponie mit Sondermüll – Geschichte schrieb und bis heute ein Synonym für „Altlasten“ und einen Umweltskandal ist.

Bodenverseuchung ist Spätfolge alliierter Bombenangriffe

Wie war es überhaupt zu den massiven Kontaminationen des Erdreiches und zu so großen Mengen von Aromaten im Boden gekommen? Die Antwort ist ganz einfach und viele alte Dorstfelder wussten das auch 1984 noch – es waren alliierte Luftangriffe auf die Zeche Dorstfeld und ihre angeschlossenen Kokereien während des 2. Weltkrieges 1943 und 1944. Der in den Kokereien gewonnen Koks wurde für die Roheisenverhüttung und damit zur Stahlgewinnung, die flüssigen Bestandteile als Grundstoffe der chemischen Industrie sowie als Kraftstoffbeimengung und die Gase als Energieträger verwendet. Als Folge der Luftangriffe durch Zerstörung von Anlagen, Rohrleitungen, Tanks und Bahn-Kesselwagen gelangten Unmengen der Produkte in den Boden. Das belegen auch die Kriegstagebücher für Dortmund. Die Alliierten hatten auf der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 die „Combined Bomber Offensive“ (CBO) beschlossen, nach der die US-Luftwaffe – die in England stationierte 8. USAF – strategische Ziele wie wichtige Rüstungsbetriebe, Kraftwerke, Zechen, Verkehrswege und insbesondere die Kokereien und Hydrierwerke mit den für „Präzisions-Tagangriffe“ schwer gepanzerten Boeing B17 „Fliegende Festungen“ angreifen sollten, um der Luftwaffe und Wehrmacht den dringend benötigten Treibstoff entziehen zu können – was auch bis 1945 gelang http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46173390.html – und die Englische RAF durch Luft-Terrorangriffe nachts mit den schweren Lancaster-Bombern die Arbeiterviertel in Schutt und Asche legen sollte, was sie bis dahin auch schon reichlich praktiziert hatte und das seine höchste Perversion in der Vernichtung Dresdens im Februar 1945 fand, wo etwa 200 000 Menschen umkamen und neben der RAF auch die USAF bombte, die seit 1944 ihre Skrupel ob der Luftterror-Flächenangriffe verloren hatte.

Landesregierung ignorierte Umweltskandal

In Dorstfeld-Süd kam es 1985 schlimmer als gedacht, als in dem sogenannten „Kerngebiet“ – der Fläche, wo bei den Bauarbeiten besonders starke Verunreinigungen aufgefallen waren – die sogenannte Bodenluft, das Erdreich, der Sand der Spielplätze und die neu aufgebrachte Gartenerde hohe Schadstoffkonzentrationen aufwiesen und das Problem auch im Freien durch Geruch wahrnehmbar wurde! Im Blut und im Urin der Bewohner und insbesondere bei Kindern (!) wurden bedenklich hohe Werte gemessen! http://www.zeit.de/1985/19/betreten-verboten Nun war klar – es musste gehandelt werden. Die Dortmunder Grünen, die Bürgerinitiative Dorstfeld-Süd und die engagierte Anwältin der Betroffenen hatten mittlerweile den skandalösen Hergang und die Beteiligten an dem Umweltskandal aufgedeckt – allesamt eng mit der SPD verbundene Führungskräfte der Stadtverwaltung und der Harpen AG, die beispielsweise auch damals die VEW – von der sie übernommen wurde – als „Versorgungsbetriebe“ für „verdiente Genossen“ fungierte. Da war dann etwa der damalige SPD-Bezirksbürgermeister, der selber 14 Jahre auf der Kokerei gearbeitet hatte und aber 1981 so tat, als ob Dorstfeld-Süd immer eine grüne Wiese gewesen wäre. Die SPD-NRW-Landesregierung, deren Behörden, das Landesoberbergamt und das staatliche Gewerbeaufsichtsamt, durch ihre Informationen und Eingriffsmöglichkeiten den Umweltskandal hätten verhindern können – es aber nicht taten – warum: darüber kann nur spekuliert werden – war nach anfänglicher Weigerung nun bereit in Dortmund Dorstfeld-Süd und in Bielefeld-Brake finanziell zu helfen. Die Grünen erhielten durch diesen Umweltskandal nämlich reichlich Zulauf und es war nun absehbar, dass im gesamten industriell stark genutzten Ruhrgebet an etlichen Stellen vergleichbare „Altlasten-Überraschungen“ lauerten!

Fragwürdige Sanierungsarbeiten sollen Belastung verringert haben

Nun wurde mit Landesförderung begonnen, die Häuser und Grundstücke aufzukaufen, abzureißen und metertief das belastete Erdreich abzubaggern, sowie in Trommelöfen die Schadstoffe zu verbrennen. Die zu sanierenden Flächen wurden im Zuge der Aktion immer größer und im Randbereich wurde die Oberflächenschichten bis zu 1 m Tiefe gegen frische Erde ausgetauscht! Der Gesamtschaden erreichte die 100 Millionen DM Marke. Danach galt das Gelände als schadstofffrei und wurde erneut bebaut. Wie „schadstoffarm“ das Gebiet tatsächlich war und ist, bleibt umstritten, da Bewohner auf angeblich erhöhte Sterberaten durch Krebsfälle hinweisen. Diesem Verdacht wird aktuell nachgegangen! Dabei ist es – auch nach den Erfahrungen aus dem ENVIO-Umweltskandal und den dazu erfolgten Gerichtsprozessen – immer sehr schwierig einen ursächlichen – kausalen – Zusammenhang zwischen Schadstoffen und Krebssterbefällen wissenschaftlich korrekt und gerichtsfest festzustellen.

Schuldige scheuen bis heute jede Übernahme von Verantwortung

Und es ist fraglich, ob die Nachfahren der einst Verantwortlichen der SPD das heute wirklich wissen wollen. Am politischen und gesellschaftlichen System hat sich nämlich seit 1945 nichts geändert – es ist eher durch den seit 1991 – der Niederlage des Pseudo-Sozialismus und Sozialimperialismus in der Sowjetunion – entarteten, globalisierten neoliberalen Kapitalismus schlimmer geworden. Die Menschen zählen nicht mehr als Person und gesellschaftliche Prozesse werden als Warenwerte in Geld bewertet. Die Feigheit, Verlogenheit und der ungehemmte Eigennutz der Verantwortlichen ist weiter angestiegen und immer weniger kann das Volk Fachleuten vertrauen, da diese entweder ohne ausreichendes Fachwissen als „Systemschranzen“ in ihre Positionen gehoben wurden – wie etwa ein Blick auf den aktuellen Zustand der Dortmunder Bürgerdienste und den langjährigen Leiter, den SPD-Funktionär und Sohn des einstigen Gewerkschafts- und SPD-Funktionärs Spaenhoff zeigt – oder aber durch Geld und Macht so korrumpiert wurden, dass sie zum Vorteil der Machteliten lügen, Recht beugen und das Volk verraten.

Nationale Sozialisten stehen da für eine ganz andere Politik – die des demokratischen Volkswillens und seiner nur dem Wohl des Volkes verpflichteten Führung, die das Vertrauen des Volkes zu Recht geniessen wird! Nicht Verlogenheit und Betrug sondern Problemlösung und Gerechtigkeit sind die Leitlinien einer nationalen und sozialistischen Politik, die in allererster Linie den Interessen des deutschen Volkes und seiner Heimat verpflichtet sein wird. Kein Wunder also, dass anlässlich einer Bürgeranhörung, zu welcher die Stadtverwaltung Dortmund – in Person von Sozialdezernentin Birgit Zoerner und Baudezernent Ludger Wilde – am Dienstag (5. Juli 2016) um 19.00 Uhr in die DASA einlädt, Nationalisten vorsorglich mit Verweis auf das Hausrecht ausgeschlossen werden sollen. Zu groß ist offenbar die Angst, die eigene Verantwortung für das Versagen in Dorstfeld-Süd aufgezeigt zu bekommen. Ein Versagen, das im Übrigen lebensgefährlich sein kann, wie aktuelle Untersuchungen belegen.

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