Nach Anschlag in Istanbul: SB-Bäcker in Dorstfeld vorläufig geschlossen

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Manchmal hat Weltpolitik auch Einfluss auf die kleinsten Dinge im Leben, beispielsweise das morgendliche Brötchenholen beim „Bäcker um die Ecke“: Nachdem es in der Silvesternacht in der türkischen Stadt Istanbul zu einem Amoklauf gekommen war, den der Islamische Staat (IS) für sich proklamiert und bei dem mindestens 39 Menschen getötet, sowie zahlreiche weitere verletzt wurden, verbreitet sich schnell die Meldung, dass unter den Schwerverletzten ein junger Mann aus Dortmund ist, der mit zwei weiteren Freunden aus der Westfalenmetropole im Nachtclub am Feiern war. Schnell meldete sich der SPD-Politiker Volkan Baran zu Wort, der angab, die Familie eines der Feiernden persönlich zu kennen, auch der Wohnort der drei Männer, allesamt im Übrigen selbst türkischer Herkunft und Mitte 20, wurde schnell bekannt (Borsigplatz, Lütgendortmund, Unionviertel). Doch dem aufmerksamen Zeitgenossen dürfte ein weiteres Detail nicht entgangen sein: Der Dorstfelder SB-Bäcker an der Südseite des Wilhelmplatzes, hat seit Neujahr geschlossen, ein Hinweisschild verkündet eine Wiedereröffnung aus „privaten Gründen“, die frühestens am 9. Januar erfolgen solle.

Dortmunder stellte sich tot und überlebte

Mittlerweile sind auch die Hintergründe der Schließung bekannt, die verdeutlichen, dass selbst Ereignisse, die weit entfernt erscheinen, im 21. Jahrhundert durch direkte Flugverbindungen, eine immer schneller zu erreichende Welt und nicht zuletzt die Einwanderungspolitik der vergangenen Jahrzehnte, durchaus einen lokalen Bezug haben können. Demnach befand sich der Pächter des Bäckergeschäftes unter den Feiernden, konnte dem Amoklauf aber entkommen, weil er sich tot gestellt haben soll, wie die Bild-Zeitung zu berichten weiß. Schwer verletzt wurde dagegen einer der beiden Dortmunder Begleiter, der mehrere Schusswunden erlitt. Und so kann ein kleiner Hinweiszettel Rückschlüsse auf eine spannendere, wenn auch mitunter tragische, Geschichte geben. Sie verdeutlicht aber auch, wie jeder Konflikt, der im arabischen Raum ausgetragen wird, binnen kürzester Zeit in das Herz Europas stoßen kann: Die Grenzen sind momentan barrierefrei zu überwinden und vielleicht ist es beim nächsten Mal nicht der lokale Bäcker, der in Istanbul angeschossen wird, sondern der Islamist aus Al-Raqqa, der vor der eigenen Haustür vorbeischaut. Ohne in eine ausschweifende Debatte über den Terrorismus des IS, die Rolle der Türkei und die Zukunft in Deutschland zu verfallen, zeigt sich jedoch, dass Weltpolitik mitunter fließend mit lokalen Geschehnissen einhergeht. Und deshalb jeden betrifft, auch wenn mancher auf „die da oben“ schimpft und von Dingen, die außerhalb der eigenen vier Wände geschehen, nichts mehr wissen möchte.

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2 Kommentare

  1. Heribert Ullrichson on

    „allesamt im Übrigen selbst türkischer Herkunft“

    Woher wisst ihr das? Habe dazu noch keine seriöse Quelle außer Euch gefunden.

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