Ruhraufstand 1920: Ein (fast) vergessenes Kapitel unserer Heimat

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In diesen Tagen jähren sich einmal mehr die Ereignisse des Frühjahrs 1920, als verschiedene sozialdemokratische und kommunistische Parteien als Reaktion auf den in Berlin stattfindenden Umsturzversuch des Generallandschaftsdirektors Wolfgang Kapp einen Generalstreik ausriefen und – nachdem der Putsch aus verschiedenen Gründen gescheitert war – anschließend in einen bewaffneten Aufstand übergingen, um eine „Rote Ruhr Republik“ zu gründen. Ziel der Kommunisten und Sozialdemokraten, die Hand in Hand den Angriff auf die staatliche Ordnung und die unterstützenden Freikorpsverbände organisierten, war seinerzeit die „Erringung der politischen Macht durch die Diktatur des Proletariats“ – nur dem Einsatz tausender Freikorpssoldaten, in denen noch der Geist der Männer steckte, die Deutschland im ersten Weltkrieg an zwei Fronten verteidigten, war es zu verdanken, dass die rote Separatistenbewegung niedergeschlagen wurde. Obwohl das Kapitel untrennbar mit der Geschichte des Ruhrgebiets als Arbeiter- und Industrieregion verbunden ist, findet heutzutage kaum eine Auseinandersetzung mit den Geschehnissen statt. Lediglich Linksextremisten nutzen einmal jährlich den Ruhraufstand, um an einer fragwürdigen Erinnerungstafel zusammenzutreten.

Linke erinnern jährlich an KPD-Ehrenmal auf dem Nordfriedhof

Auf dem Nordfriedhof in Dortmund existiert eines der wenigen Mahnmäler, welches an die turbulenten Tage im Frühjahr 1920 erinnert – wenngleich in einseitiger Form. „Wir werden euer Werk vollenden“, heißt es in roter Schrift auf der Gedenktafel, deren Urheber nebst hervorgehoben wird: Die „Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)“, die zwar in der Bundesrepublik verboten ist, deren Nennung auf dem Denkmal bisher jedoch von offizieller Seite niemanden zum Handeln veranlasst hätte, ebensowenig wie das Symbol des Unrechts, Hammer und Sichel, die auf dem Denkmal eingraviert sind. Die fehlende, geschichtliche Sensibilität der Verwaltung führt deshalb dazu, dass einmal jährlich ein städtischer Friedhof zur Pilgerstädte einiger Altkommunisten wird, die sich heute noch darüber erfreuen, dass Arbeiter gegen Arbeiter, Frontsoldaten gegen Frontsoldaten, aufgehetzt wurden, um an dem Mythos Klassenkampf festzuhalten, welcher in den Köpfen der Menschen des Ruhrgebiets erst gute zehn Jahre später gebrochen werden konnte. 86 Jahre später, werden trotzdem am Samstagmittag (25. März 2017) Menschen zusammentreten, welche das Scheitern der kommunistischen Idee nicht wahrhaben wollen, krampfhaft an eine Weltrevolution des Proletariats glauben und sich einer Arbeiterklasse zugehörig fühlen, die in der Dienstleistungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts kaum noch existiert. Von aufgeklärten Zeitgenossen, welche Lehren aus dem Schrecken des Kommunismus gezogen haben, muss das rote Gedenken nicht zuletzt deshalb als eine Provokation empfunden werden – vielleicht lässt sich deshalb auch erklären, warum es immer wieder zu symbolischen, mitunter rechtlich unzulässigen, Protesten gegen das KPD-Gedenken kommt und auch in diesen Tagen der Schriftzug „Rotfront zerschlagen“, den Unbekannte augenscheinlich an der Erinnerungstafel angebracht haben, diesen Widerstand untermauert.


(Anti-)Kommunismus: Das KPD-Mahnmal auf dem Nordfriedhof im März 2017

Nachfolgend ein älterer Artikel über den Verlauf des Ruhraufstandes und seine Hintergründe. Dieser Artikel wurde bereits im März 2013 beim „DortmundEcho“ veröffentlicht, hat aber von seinem Informationsgehalt nichts verloren:

Der Ruhraufstand von 1920 und sein Ende

In diesen Tagen jährt sich der sogenannte „Ruhraufstand“ (auch als Märzaufstand bezeichnet) zum 83. Mal. Damals, im Frühjahr 1920, riefen verschiedene sozialdemokratische und kommunistische Parteien als Reaktion auf den in Berlin stattfindenden Umsturzversuch des Generallandschaftsdirektors Wolfgang Kapp einen Generalstreik aus. Kapp führte einen Umsturzversuch durch, der von ihm als nationale Erhebung bezeichnet wurde und sich gegen die Regierung der Weimarer Republik richtete, der er insbesondere Versagen im Punkte der Soldaten- und Außenpolitik vorwarf. Parallel zum bundesweit anlaufenden Generalstreik wurden bewaffnete Einheiten gebildet, die sogenannte „Rote Ruhrarmee“, mit deren Hilfe in kürzester Zeit sämtliche Ruhrgebietsstädte kommunistisch besetzt wurden – ehemalige Sicherheitsorgane, sowie bestehende Bürgerwehren wurden mit Gewalt abgesetzt, ebenso wie die bisherigen Bürgermeister und Ortsvorsteher. Plünderungen und Diebstähle waren an der Tagesordnung.

Während die damalige Regierung der Weimarer Republik, gebildet von SPD, der Zentrumspartei und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), unter Führung von Gustav Bauer anfangs das Ausfrufen eines Generalstreiks befürwortete, welcher im Übrigen maßgeblich zum Scheitern des „Kapp-Putsches“ beitrug, änderte sich dies am „Tag nach Kapp“: Längst war das Ruhrgebiet außer Kontrolle geraten, denn der Generalstreik wurde nach Abwendung des nationalen Umsturzes durch Kapp nicht beigelegt, sondern die Zielsetzung auf eine „Erringung der politischen Macht durch die Diktatur des Proletariats“ ausgeweitet. Begünstigt durch die gerade im Ruhrgebiet besonders arme Bevölkerung, die sich in großen Massen von den kommunistischen Parolen verleiten ließen, stieß diese Forderung zunächst auf breite Zustimmung. Die Regierung Bauers – insbesondere vertreten durch den Innenminister Gustav Noske – musste mit Ansehen, wie sich das kommunistische Einzugsgebiet über das Ruhrgebiet hinaus auszubreiten drohte und bis in die Anfänge des Münsterlandes, sowie bis vor die von Regierungstruppen stark gesicherte Stadt Wesel reichte.

Die Weimarer Regierung sah sich gezwungen, aufgrund der militärischen Situation auf die Hilfe von Freikorpskämpfern zurückzugreifen, die teilweise erst wenig zuvor in den „Kapp-Putsch“ verwickelt waren. Um die rote Gefahr niederzuschlagen, formierten sich unter Anderem die Freikorps „Lichtschlag“, „Epp“ und „Jauch“, die aus Oberschlesien kampferprobte „Marine-Brigade von Loewenfeld“, sowie die zuvor im Baltikum kämpfende „Sturmabteilung Roßbach“. Während die „Rote Ruhr Armee“ bei der Entwaffnung von Polizei und Bürgerwehren, die teilweise in ihren Kasernen von tausenden aufgehetzten Arbeitern umstellt wurden, kaum Widerstand spürte, änderte sich dies durch den Einsatz der Freikorps schlagartig. Zusammen mit Reichtswehreinheiten rückten diese von verschiedenen Seiten ins Ruhrgebiet vor, wobei es den Kommunisten gelang, in der Stadt Wetter eine Vorhut des „Freikorps Lichtschlag“ am 17. März im dortigen Bahnhofsgebäude einzuschließen. Aus einer größeren Menschenmenge von vielen hundert Personen heraus eröffneten Rotarmisten das Feuer auf die völlig überraschten Freikorpskämpfer, von denen dutzende getötet und rund 600 gefangen genommen wurden. Ähnlich erging es Freikorpssoldaten beim Vormarsch durch den Aplerbecker Wald im Osten Dortmunds, die ebenfalls in einen Hinterhalt gerieten und dort nicht nur umfangreich Ausrüstungsgegenstände, sowie Waffen verloren, sondern erneut mehrere Tote zu beklagen hatten. Insgesamt fielen in den Tagen des Ruhraufstandes zwischen März und April 1920 273 Anhänger von Freikorps- oder Reichswehreinheiten. Demgegenüber stehen 2000 Mitglieder der „Roten Ruhrarmee“, die teilweise auch vor Standgerichten nach ihrer Festnahme zum Tode verurteilt wurden. Während die Freikorpseinheiten uniformiert kämpften, versuchten viele Rotarmisten, die sich in ausweglosen Situationen befanden und eine Festnahme fürchteten, als Zivilisten verkleidet zu entkommen – später nutzten linksgerichtete Kreise dies als Vorwand, um angebliche Gewalt von Freikorpskämpfern gegen „unschuldige Zivilisten“ zu belegen.

Trotz Rückschlägen gelang es Freikorps- und Reichwehreinheiten jedoch zunehmend, den Aufstand niederzuschlagen, was zudem von internen Unstimmigkeiten zwischen den vielen verschiedenen linken Gruppierungen, die sich in der „Roten Ruhrarmee“ zusammengeschlossen hatten, begünstigt wurde. Unter dem Kommando von General Watter wurden schrittweise die durch Kommunisten besetzten Städte zurückerobert, wobei sich viele Rotarmisten über den Rhein in das französisch besetzte Gebiet flüchteten, um ihrer erwarteten Strafe zu entkommen. In schwere Kampfhandlungen wurde auch das „Freikorps Epp“ verwickelt, dass aus Richtung Hamm kommend in mehrere Gefechte involviert war, wobei insbesondere die „Schlacht bei Pelkum“ am 1. April 1920 auch heute noch gelegentliche Aufmerksamkeit erfährt, wenn linksextreme Kreise den dort gefallenen Rotarmisten gedenken. Wie in Pelkum existiert auch in Dortmund auf dem Nordfriedhof heute noch ein Mahnmal, das von der KPDerrichtet wurde und mit dem bis heute einseitige Geschichtsverklärung betrieben wird.

Bei den äußerst hart geführten Kampfhandlungen fanden sich auf beiden Seiten viele ehemalige Frontsoldaten des ersten Weltkrieges, die sich teilweise nationalen und heimatverbundenen Vereinigungen wie den Freikorps angeschlossen hatten, aber auch (zu nicht unerheblichen Teilen) den Parolen der Kommunisten, die mit ihrem Klassenkampf das Volk aufspalteten und gegeneinander hetzten, gefolgt waren. Trotz Fehlern der Regierung Bauer gelang es letztendlich, einen kommunistischen Machtübernahmeversuch im Westen Deutschlands durch die Hilfe nationaler Einheiten zu verhindern – zwar wurde somit auch die Existenz der politisch instabilen Weimarer Republik gesichert, durch die Niederschlagung des Aufstandes den militanten Sozialdemokraten und Kommunisten in ihrem Versuch einer mit Gewalt ausgeübten Machterringung aber eine Niederlage zugefügt, von welcher sich diese – zumindest im Rheinland und Westfalen – nicht mehr erholen sollten.

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7 Kommentare

  1. °°KlarText°° on

    Auch wenn solche Aktionen mindestens den Straftatbestand der Sachbeschädigung erfüllen, ist die vermittelte Botschaft doch richtig: Propaganda kommunistische Volksverräter will sowohl in Westfalen, als auch überall anders, niemand mehr unbeantwortet lassen.

  2. Diese “fehlende, geschichtliche Sensibilität der Verwaltung” führt auch dazu, daß wir in Dortmund eine “Karl-Liebknecht-Straße” und eine “Rosa-Luxenburg-Straße” haben. In letzterer wohnt bezeichnenderweise Dortmunds Oberbürgermeister, der rote Ulli. Er wohnt dort aber bestimmt nur, weil es in Dortmund keine Joseph-Stalin- oder Erich-Mielke-Straße gibt!

  3. “86 Jahre später, werden trotzdem am Samstagmittag (25. März 2017) Menschen zusammentreten,”

    Nun ja, die DKP Typen die da zusammentreten sehen auch so aus als wenn sie vor 86 Jahren dabeigewesen sind… 😉

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