Dorstfeld: 200 Teilnehmer bei Kundgebung für Erhalt des Westbades

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Vereine und Akteure aus Dortmund-Dorstfeld hatten für Dienstagabend (27. Juni 2017) zu einer Kundgebung für den Erhalt des Westbades aufgerufen. Zwei Wochen vor der entscheidenden Stadtratssitzung, bei der SPD und CDU das Aus für das beliebte Schwimmbad am Kortental besiegeln wollen, fanden sich rund 200 Demonstranten ein, um ein deutliches Zeichen zu setzen. Das Spektrum reichte dabei von Sportvereinen und einigen Schülern über Vertreter aller etablierten Parteien (Ausnahme von FDP und SPD), sowie der größten, eigenständigen Gruppe von Aktivisten der Partei DIE RECHTE, auch Vertreter der NPD waren vor Ort. Eröffnet wurde die Versammlung ausgerechnet von Wilhelm Schulte-Coerne, dem Dorstfelder CDU-Chef, der sich als eine Art Anführer der Bewegung für den Erhalt des Westbades aufführt, obwohl es seine Partei ist, die auf Stadtratsebene die Schließung des Schwimmbades zugunsten einer wirtschaftlich profitableren Lösung außerhalb von Dorstfeld befürwortet. Doch damit nicht genug der Heuchelei: Mit Friedrich Fuß ergriff auch ein Vertreter der Grünen das Wort, die jüngst auf die Seite der Westbad-Befürworter umgeschwenkt sind, deren Huckarder Ortsverein sich jedoch noch vor wenigen Tagen für eine Verlegung des Bades in den Revierpark Wischlingen ausgesprochen hatte. Von solcher Doppelmoral abgesehen, war die Versammlung jedoch durchaus kämpferisch und der Wunsch der Dorstfelder, das Westbad am bisherigen Standort zu erhalten, wurde deutlich unterstrichen.

Wie ein SPD-Politiker zum Hauptfeind wird

Auch wenn das Einschleichen von CDU und Grünen in die „Westbadbewegung“ nicht thematisiert wurde, herrschte jedoch Einigkeit bei der Frage, wer Mitschuld an einer Schließung des Westbades trägt, sofern sie beschlossen wird: Hans-Peter Balzer, SPD-Abgeordneter für Dorstfeld und von Beginn an Befürworter des Standortes Wischlingen. Bezeichnenderweise sitzt Balzer auch im Aufsichtsrat des Revierparkes, weshalb Kritiker ihm eine parteiische Position, die sich nicht an der Meinung der Dorstfelder Mehrheitsbevölkerung orientiert, vorwerfen. Auch wenn nicht namentlich genannt, wurde starke Kritik an dem „Dorstfelder SPD-Vertreter“ geäußert, der – neben der gesamten Bevölkerung – im Falle einer Schwimmbadverlegung wohl zu den größten, politischen Verlierern gehören dürfte und dessen Wiederwahl bei der Kommunalwahl 2020 in weite Ferne gerückt ist. Ob der Mann danach im Revierpark unterkommt, kann nur spekuliert werden und würde einer sachlichen Grundlage entbehren. Erfreulicherweise ist in diesen Tagen jedoch die Parole „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“ in Dorstfeld aktuell wie nie und erfreut sich breitem Zuspruch. Nur Teil 2 („Wer schaut zu? Die CDU!“) und Teil 3 („Wer ist mit dabei? Die grüne Partei!“) müssen dem Bürger noch vermittelt werden.


Fähnlein im Wind: CDU (am Mikrophon) und Grüne (rechts)

Reges Medieninteresse und hohes Polizeiaufgebot

Offenbar besorgt wegen der angekündigten Teilnahme nationaler Aktivisten an der Protestaktion, war die Polizei mit einem vergleichsweise hohen Aufgebot vertreten. Die gesamte Kundgebung verlief jedoch friedlich und die Polizeibeamten hielten sich professionell im Hintergrund, einen Grund zum Einschreiten gab es nicht. Fast schon gelangweilt wirkten die zahlreichen Medienvertreter, die offenbar auch mit Tumulten oder ähnlichen Szenerien gerechnet hatten und gierig mit den Kameras auf die Nationalisten hielten. Abgesehen von einer kurzen, verbalen Pöbelattacke des CDU-Redners Schulte-Coerne in Richtung der „Rechten“, welche der – sich ansonsten betont konservativ gebende – Politiker auch auf einer linksextremen Demonstration hätte halten können, stieß die Teilnahme der Nationalisten auf Akzeptanz, auch die verteilten Flugblätter erfreuten sich reger Nachfrage. Bezeichnenderweise wurde von einem Unwissenden jedoch behauptet, DIE RECHTE sei auf den Zug der Proteste aufgesprungen, obwohl es die nationale Oppositionspartei gewesen ist, die als erste, politische Kraft im Herbst 2014 öffentlich gegen die angekündigte Schließung mobil machte (das „DortmundEcho“ berichtete seinerzeit).


Am Rande der Kundgebung verteilten Aktivisten Flugblätter

Entscheidung fällt bei Ratssitzung 13. Juli 2017

Die Augen der Dorstfelder richten sich nach dem Abschluss der Protestwelle auf die entscheidende Stadtratssitzung am 13. Juli 2017. Nachdem Linkspartei/Piraten, Grüne und die Ratsgruppe NPD / DIE RECHTE angekündigt hatten, für den Erhalt des Westbades zu stimmen, würden einige Abweichler aus den Reihen von CDU und SPD bereits für eine Mehrheit reichen. Momentan sieht es jedoch nicht danach aus, als ob einzelne Abgeordnete die Courage besitzen, gegen ihre Parteiführung zu stimmen. Mit Spannung beobachtet wird auch das Stimmverhalten des CDU-Abgeordneten Emmanuel Daskalakis, der über viele Jahre hinweg eine Arztpraxis im Dorstfelder Ortskern betrieben hat und 2014 als Direktkandidat für die Dorstfelder antrat. Ob er sich noch an seinen Wählern orientiert, bleibt abzuwarten, erscheint momentan aber zumindest zweifelhaft. Als sicher dürfte lediglich gelten, dass auch rund um die Ratssitzung am 13. Juli 2017 Proteste für den Erhalt des Westbades zu erwarten sind!

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