Das Sterben der Dortmunder Wochenmärkte

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Sie haben jahrhundertelange Tradition und könnten dennoch bald verschwunden sein: Wochenmärkte, die gerade in den Vororten unserer Stadt eine wichtige Einkaufs- und Kommunikationsfunktion haben. Wie aus einer neuen Übersicht der Stadt Dortmund hervorgeht, ist die Zahl der Markthändler in den vergangenen 10 Jahren eingebrochen, viele Wochenmärkte existieren lediglich auf dem Papier. Seitens der Stadt Dortmund wird aktuell beraten, wie sich dieser dramatischen Entwicklung gegensteuern lässt – bezeichnenderweise wurde jedoch erst bei der Junisitzung des Dortmunder Stadtrates die Standgebühr für Markthändler erneut erhöht, ein fragliches Mittel, um zum Aufschwung der angeschlagenen Märkte beizutragen.

Lediglich zwei Wochenmärkte mit hohem Zuspruch

Den Erfolgreichsten Wochenmarkt in Dortmund bildet der Nordmarkt, auf dem jedoch deutsche Markthändler erfolglos gesucht werden dürften. Offenbar sichtlich erfreut über diesen Umstand, spricht die Stadt von einem „(Basar)-Flair“, der jedoch nicht im Orient praktiziert wird, sondern mitten in einer deutschen Großstadt. Von 69 Händlern im Jahr 2007, ist die Zahl auf 79 im Jahr 2017 gestiegen – mehr Plätze sind auf dem Nordmarkt ohnehin nicht verfügbar, so dass der zweimal wöchentlich stattfindende Markt als „ausgebucht“ gilt. Ähnlich verhält es sich mit dem „Hansa Markt“, der sogar dreimal wöchentlich stattfindet und bei dem aktuell durchschnittlich 84 Händler vertreten sind – vor zehn Jahren waren es jedoch 93. Als Besonderheit gilt auf dem „Hansa Markt“ ein Verbot des Textilienverkaufes, weshalb sich der Markt noch am klassischen Konzept eines Versorgungsmarktes orientiert. Nicht angenommen wurde indes der Versuch eines Abend-Marktes, der Mitte 2016 durchgeführt wurde, aber auf keine nennenswerte Resonanz stieß. Unabhängig davon, sind der Nord- und Hansa Markt die einzigen beiden Wochenmärkte, die als „positiv stabil“ einzustufen sind.

“Unspektakulärer Markt“ in Aplerbeck, Einbruch in Brackel

Zwar leicht zugenommen, aber insgesamt kaum der Rede wert, stuft die Stadt Dortmund den Wochenmarkt in Aplerbeck ein: Dort waren 2007 15 Stände, heute sind es 17. „Unspektakulärer Markt mit einem festen Stammpublikum“ der einmal wöchentlich auf dem Aplerbecker Marktplatz stattfindet. Deutlich schlechter steht es derweil um den Standort Brackel: Von 29 Händlern im Jahr 2007, ist die Zahl der heutigen Beschicker auf gerade einmal 11 eingebrochen. „Der Markt hat von seiner ehemaligen Größe durch die in unmittelbarer Marktnähe gelegenen Vollsortimenter erheblich an Attraktivität verloren“, stellt die Stadt fest und hat auch einen weiteren Grund parat, der diesen Einbruch erklären könnte. Eigentlich sollte bereits vor zehn Jahren die heruntergekommene Marktfläche am Brackeler Hellweg saniert werden, doch seitens der Stadt hat bis heute niemand eine Veranlassung zu diesem Schritt gesehen.

Dorstfeld: Der gestorbene Wochenmarkt

Ein anschauliches Beispiel für den Niedergang ehemals beliebter Vorortwochenmärkte bildet die Situation in Dorstfeld: Gerade einmal 3 Händler sind noch verblieben, 2007 waren es immerhin noch 11 und seit Jahresbeginn wurde der Markt nur noch auf einen Termin wöchentlich reduziert. „Eine schöne Platzfläche, leider ohne Händler und Kaufkraft. Für dienstags seit Jahresanfang keine Beschicker mehr“, heißt es deshalb von Seiten der Stadt. Trotz der zentralen Lage am Wilhelmplatz, wurde der Wochenmarkt offenbar aufgegeben und es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis die letzten drei Händler verschwinden.

Vom „Evinger Markt“ in die Bedeutungslosigkeit

Eine ähnliche Entwicklung wie in Dorstfeld, lässt sich auch in Eving beobachten, wo der Wochenmarkt sogar auf dem eigens danach benannten Platz stattfindet. Im Jahr 2017 finden sich am „Evinger Markt“ jedoch lediglich noch 6 Stände, 2007 waren es noch 21. „Der Markt hat im Laufe der Jahre zu einer Bedeutungslosigkeit geführt. Dienstags findet seit 2016 mangels Händlerinteresses kein Markt mehr statt“, gibt die Stadt über den einmal wöchentlich stattfinden Markt bekannt. Immerhin: Ein Rettungsversuch ist seit Mai 2017 angelaufen, der Markt hat seinen Standort auf dem „Evinger Platz“, unweit der zentralen Haltestelle „Zeche-Minister-Stein“, gewechselt. Ob dadurch ein Aufschwung herbeigeführt wird, bleibt abzuwarten.

Besser laufende Märkte in Hörde und Hombruch

Den Glanz früherer Zeiten verloren, aber dennoch im stadtweiten Vergleich im oberen Bereich, rangieren die Wochenmärkte in Hörde und Hombruch. 14 Stammhändler (2007: 18) finden sich zweimal wöchentlich an der „Schlanken Mathilde“ ein, die Stadt bescheinigt in ihrem Bericht einen „gut sortierten Markt“. Sogar 37 Händler sind es bei m ebenfalls zweimal wöchentlich stattfindenden Markt an der Hombrucher Hakortstraße – vor 10 Jahren waren es jedoch sogar 54. Dennoch spielt Hombruch im stadtweiten Marktvergleich weiter vorne mit und zählt aktuell zu den größeren Veranstaltungen in unserer Stadt.

Textillastiges Huckarde, „Mini-Markt“ in Oststadt

Von der Händlerzahl sowie vom Warenangebot einer der besseren Märkte in Dortmund,
allerdings sehr textillastig
“, wird der Huckarder Wochenmarkt charaktarisiert. Immerhin 32 Händler (2007: 42) stellen dort ihr Angebot zweimal wöchentlich vor. Lediglich 5 sind es dagegen beim Markt an der Davidisstraße in der östlichen Innenstadt – 2007 waren es noch 9. Der Mittwochsmarkt wurde bereits eingestellt, „nach wie vor ansprechend und für die Händlerschaft lukrativ“ gilt jedoch die Veranstaltung am Samstag.

Schleichender Niedergang in LüDo, Scharnhorst konstant

Der einst sehr gute Wochenmarkt schwächelt seit Jahren im Kontext mit dem dortigen
Einzelhandel
“, heißt es über den Markt in Lütgendortmund. Immerhin 29 Markthändler bieten zweimal wöchentlich ihr Sortiment an, 2007 waren es jedoch noch 45. Besser sieht es dagegen in Scharnhorst aus: 34 Händler bieten einmal wöchentlich am Buschei ihr Sortiment an, 2007 betrug ihre Zahl noch 41. Dennoch gilt der Wochenmarkt als beliebt, als Kritikpunkt wird jedoch der sanierungsbedürfte Zustand des Platzes aufgeführt, außerdem sei bei Regen mit Überschwemmungen von Marktständen zu rechnen – kein zufriedenstellender Zustand für Kunden und Händler.

Mengede: Rückgang um ein Drittel

Von 45 Ständen im Jahr 2007 hat sich die Zahl der Händler auf 30 im Jahr 2017 verringert, die auf dem Mengeder Marktplatz ihre Waren anbieten. „Auch hier leidet der einst sehr gute und große Wochenmarkt unter einer Vielzahl von Vollsortimentern in unmittelbarer Nähe zur Marktfläche“, wirft die Stadt angesichts der hohen Konkurrenz im Mengeder Ortskern ein. Zwar sei der Marktplatz aufwendig saniert worden, der Händlerverlust müsse dennoch hingenommen werden. Immerhin: Bisher hält sich das Angebot zweimal die Woche.

Insgesamt ist deutlich zu erkennen, dass alle Dortmunder Vororte von einem Rückgang betroffen sind. Während manche Märkte drastisch betroffen sind und um ihre Existenz kämpfen, zeigt sich der Niedergang an anderen Stellen langsamer. Verändertes Kaufverhalten, sowie die jahrelange Ignoranz des „Markt-Problems“, haben diese Entwicklung beschleunigt. Wenn die Wochenmärkte, die gerade für ältere Menschen einen wichtigen Teil ihres Lebens darstellen, nicht vollständig aus dem Stadtbild verschwinden sollen, wird es Zeit für eine stadtweite Werbekampagne, die mit entsprechenden Vergünstigungen hinsichtlich Händlergebühren seitens der Stadtverwaltung flankiert wird. Die Bedeutung der Märkte orientiert sich am Besucheraufkommen und dazu kann jeder Dortmunder, dem etwas an dieser Tradition liegt, beitragen!

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1 Kommentar

  1. Das es so ist, liegt allein an der Markt-Verwaltung , die altansässige Marktbeschicker vertreibenMarktmeister sind unausgebildet und haben keine Ahnung den Marktbetrieb attraktiv zu gestalten.Stellen die Markthändler ohne Grund um und stellen dann auf seinen Platz einfach einen Konkurenten für einen anderen Mitstreiter hin.Obwohl auf diesem kleinen Platz z. B. Ein Händler mit Handtaschen reicht Ich bin betroffen und musste leider diesen Markt kündigen. In den letzten Jahren soll ich das 3. mal wieder meinen Stammplatz wechseln und das vor Weihnachten. Meine Stammkunden wieder zu erzielen dauert mind. 5 Monate. Nein Danke, das glaubt mir kein Finanzamt. Mit freundlichen Grüßen Brigitte Hils P. S. Ich verkaufe Heimtextilien

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