Kinderschänder-Prozess: Druck auf Angeklagten wächst

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Ob es an der „Outing-Aktion“ nationaler Aktivisten lag, die am Dienstag in Dortmund-Hörde stattfand oder es eine Reaktion auf das öffentliche Bewerben des Prozesstermines ist, kann nur spekuliert werden: Am Donnerstag (7. September 2017) wurde vor dem Dortmunder Landgericht der Prozess gegen Voldemar M. unter großen Sicherheitsvorkehrungen fortgesetzt, Prozessbesucher wurden u.a. registriert und mussten einen separaten Eingang nehmen – es blieb jedoch ruhig und auch der Publikumsandrang fiel wohl deutlich geringer aus, als es im Vorfeld erwartet wurde, als Gericht und Polizeibeamte, die im Umfeld Präsenz zeigten, offenbar auf „Nummer sicher“ gehen wollten. Bereits am ersten Verhandlungstag hatte der 66-jährige Angeklagte einen Teil der über 250 vorgeworfenen Misshandlungen eingeräumt und auch den Besitz von etwa 4000 kinderpornographischen Bildern zugegeben, leugnete aber alle vorgeworfenen Taten, die zwischen 2011 und 2015 lagen, da er in diesem Zeitraum keinen Kontakt zum geschädigten Mädchen, das heute 16 Jahre alt ist, gehabt haben will. Im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstages stand deshalb die Vernehmung der Eltern des missbrauchten Mädchens.

Richter mit klarer Ansage in Richtung des Angeklagten

Bei ihren Vernehmungen verdeutlichten sowohl die Mutter, als auch der Vater, dass seit 2009, mit Ausnahme von wenigen Monaten, ein durchgängiger Kontakt zwischen der Geschädigten und ihrem Peiniger, dem Ex-Freund ihrer Großmutter, bestanden habe. Umso eindringlicher wurde deshalb die Ansage des vorsitzenden Richters in Richtung des Angeklagten, bis zum nächsten Verhandlungstag zu überdenken, ob er bei seiner Version hinsichtlich der Zeit zwischen 2011 und 2015 bleiben wolle, die nach Aussage der Eltern als widerlegt gilt. Sollte der Angeklagte sich zu keiner Einlassung – erwartet werden dürfte ein vollumfängliches Geständnis – bereiterklären, bliebe dem Gericht nichts anderes übrig, als das missbrauchte Mädchen, das zu Beginn der Übergriffe gerade einmal 8 Jahre alt gewesen war, zu befragen. Sollte dieser Fall eintreffen, ließ der Richter wissen, werde es für den Angeklagten „richtig dicke“ kommen, zumal eine Verurteilung nach seinem Teilgeständnis ohnehin als sicher gilt. Der Versuch, lediglich Taten aus einem Teilbereich der Anklage einzuräumen, wird von Beobachtern als Prozesstaktik eingestuft, um möglicherweise ein niedrigeres Strafmaß zu erhalten. Stand jetzt, sieht es aber nicht danach aus, dass diese Taktik ausgeht, im Gegenteil. Unabhängig von der letztendlich verhangenen Strafe dürfte sich aber auch nach Abschluss des Prozesses die Frage stellen, ob das Strafmaß in Relation zum zerstörten Leben eines Kindes steht.

Fortgesetzt wird der Prozess mit dem richtungsweisenden, dritten Verhandlungstag am 27. September 2017, bei dem entweder eine (vermutlich vollumfängliche, geständige) Einlassung des Angeklagten erfolgt oder das missbrauchte Mädchen (dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit) vernommen wird. Beginn der Verhandlung, die zunächst unabhängig vom weiteren Ablauf öffentlich eröffnet wird, ist um 9.15 Uhr, voraussichtlich in Saal 24 des Dortmunder Landgerichtes.

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