Mitgliederverlust bei der SPD: Genosse „Rotlicht-Drabig“ verstorben

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Für die Dortmunder Sozialdemokraten beginnt die Woche mit einem prominenten Abgang: Wie verschiedene Medien mitteilen, ist der ehemalige, führende SPDler Franz-Josef Drabig in der Nacht zu Dienstag nach längerer Krankheit verstorben. Drabig hatte über Jahrzehnte die Politik in der – mittlerweile stark angeschlagenen – „Herzkammer der Sozialdemokratie“ maßgeblich mitgeprägt und war nicht nur Mitglied im Landesvorstand der Partei, sondern auch viele Jahre hinweg Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Dortmund. Zuletzt erhielt Drabig einen Posten bei RWE. Bundesweite Bekanntheit erlangte Drabig im Jahr 1998, als er – wenige Tage vor seiner geplanten Wahl als Dortmunder Oberbürgermeister, die bereits im Kämmerlein der Genossen ausgeklüngelt worden war – bei einer Polizeikontrolle auf dem damaligen Straßenstrich an der Ravensberger Straße / Bornstraße mit einer Prostituierten angetroffen wurde. In einem damaligen Pressebericht heißt es zu dem Vorfall: „Tatort Bornstraße, 28. November, 21.30 Uhr: Drabig kommt von einer Jubilarehrung und lenkt seinen dunkelblauen BMWin die als Drogenstrich bekannte Straße im Sperrbezirk. Als er die junge Frau am Bordsteinrand sieht, hält er vor einem Pornokino an und läßt sie einsteigen“. Unter dem Einfluss dieses Ereignisses wurde Drabig, der sich zum Zeitpunkt der Rotlicht-Affäre in einer Beziehung mit seiner Sekretärin Nicole Gehrke befand, bei der Bürgermeisterwahl die Zustimmung von mehreren Genossen verweigert, in einer spektakulären Abstimmung wurde seine Karriere an einem entscheidenden Punkt auf dem Weg nach „ganz oben“ gestoppt.

“Machte sich gegen Nazis gerade”

Drabig war bis in seine letzten Lebensjahre politisch aktiv, u.a. war er am Kommunalwahlabend 2014 beteiligt, als etablierte Politiker Anhängern der Partei DIE RECHTE um den frischgewählten Stadtrat Siegfried Borchardt den Weg zur Wahlkampffeier ins Rathausinnere versperrten. Der linksgerichtete Blog „Ruhrbarone“ nutzt Drabigs Beteiligung an dieser rechtswidrigen Aktion, um ihn in einem kurzen Nachruf zu würdigen: „Er machte sich gerade, als die Nazis 2014 das Dortmunder Rathaus stürmten“ – ob jedoch ein „gerade machen“, das mitunter sogar strafrechtlich relevant gewesen sein könnte und dem Verfasser dieser Ruhrbarone-Zeile ggf. mehr Informationen vorliegen, als den Polizeibeamten der damaligen „Soko Rathaus“, ein Grund zur Anerkennung besonderer Verdienste ist, bleibt kritisch zu sehen. Von einem Fast-Oberbürgermeister wäre wahrlich ein anderes Verhalten zu erwarten gewesen. Wenn verschiedene Medien um einen „Sozialdemokraten alter Schule“ trauern, vergessen sie dabei zu erwähnen, dass genau jene Sozialdemokraten unsere Stadt durch ihre Politik des Sozialabbaus, der Masseneinwanderung und des Parteienfilzes systematisch zerstört haben und noch immer dabei sind. Die Folgen dieser Politik wird Drabig jedoch nicht mehr erleben müssen – im Gegensatz zu seinem 16-jährigen Sohn.

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