Ein Monat nach Outing von Joel Herget: Aussteigerprogramm, Vertuschungen und die ungeklärte Rolle der Behörden

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Im Rahmen einer öffentlichen Kundgebung am 28. Juni 2018 in der Kreisstadt Unna wurde das Doppelleben des ehemaligen NPD/JN – Funktionärs Joel Herget, zuletzt stellvertretender Kreisvorsitzender für DIE RECHTE in Unna, an die Öffentlichkeit gebracht: Nach aufwendigen Recherchen konnte belegt werden, dass der nationale Aktivist mehrere Jahre mit dem Antifa-Journalisten Marcus Arndt in einer Ein-Zimmer-Wohnung am Breierspfad im Dortmunder Stadtteil Brackel zusammengelebt hatte, wobei Arndt Herget als willkommene Quelle für seine Recherchen in der „rechten Szene“ (aus-)nutzte. Zeitgleich mit der Veröffentlichung dieser Informationen, wurde Joel Herget aus allen politischen Strukturen der deutschen Rechten ausgestoßen. Seither hat sich in den letzten 30 Tagen einiges getan und die Brisanz des Falles hat sich nicht verringert, ganz im Gegenteil. Noch immer ist vor allem die Rolle der staatlichen Behörden ungeklärt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Doppelleben gewusst haben, das auch auf die mysteriösen Vorfälle im Lebenslauf von Marcus Arndt ein kritisches Licht wirft.

Herget räumt Vorwürfe zunächst ein und sucht Ausreden

Offenbar unter dem Eindruck der plötzlichen Konfrontation mit seinem aufgeflogenen Doppelleben stehend, versuchte Joel Herget zunächst sein gemeinsames Leben mit Marcus Arndt zu verleugnen, zeigte sich aber nach wenigen, kritischen Nachfragen und dem Vorlegen erster Beweise einsichtig. Noch im Video seines Redebeitrages auf der Kundgebung am 28. Juni 2018 in Unna gab er zu, in dem Haus von Marcus Arndt zu wohnen, er wolle vor der Kamera aber nicht Stellung dazu nehmen, was die beiden miteinander verbindet.

Nachdem die Kamera bei der öffentlichen Versammlung ausgeschaltet wurde, gab Herget an, mit Arndt eine langjährige Freundschaft zu pflegen, ohne jedoch genauer zu konkretisieren, woher sich die beiden Kennen und wann diese Freundschaft begonnen haben soll, immerhin beträgt der Altersunterschied zwischen dem 24-jährigen Herget und dem 47-jährigen Arndt ganze 23 Jahre.

Während Arndt in einem Twitter-Beitrag – offenbar seine eigene Reputation in linken Kreisen verschwinden sehend – die Rechercheergebnisse in das Reich der Märchen und Sagen einstufte, verschickte Herget noch am selben Tag eine Erklärung an mehrere Bekannte. In dieser räumt Herget ein, mit Arndt zusammengelebt zu haben, er hätte jedoch nur Informationen eines damaligen Lagerkampfes innerhalb der NPD-NRW weitergegeben, wäre kein Spion oder Verräter und würde weiterhin der Sache treu bleiben, auch wenn er sich nirgendwo mehr blicken lassen könnte. Was die Empfänger dieses Schreibens nicht wussten: Zu diesem Zeitpunkt bestand ein erster Kontakt zwischen Joel Herget und Mitarbeitern des Dortmunder Staatsschutzes, die ihn unmittelbar nach der Kundgebung in Unna kontaktieren, für den Folgetag zu einer Vernehmung „einluden“ und ihn unter Personenschutz stellten.


Joel Herget wird auf einer Kundgebung in Unna mit den Recherchen konfrontiert

Personenschutz und Aussteigerprogramm:
Das Rundum-Sorglospaket für Ausgestiegene

Die Mitarbeiter des Staatsschutzes zeigten sich besorgt um den Sicherheitszustand von Herget, obwohl das gesamte Outing gewaltfrei verlief und es nicht einmal Drohungen gegeben hatte. Trotzdem stellte die Polizei für Herget zunächst einen Personenschutz bereit: Nachdem Herget als Reaktion auf das Outing nicht in die gemeinsame Wohnung mit Marcus Arndt zurückkehrte, sondern den elterlichen Wohnsitz in Selm aufsuchte, wurde er von Polizisten begleitet, die auch in den Folgetagen nicht von seiner Seite wichen. In den vergangenen vier Wochen gab es mehrere Treffen zwischen Herget, seiner “Kontaktbeamtin” und weiteren Mitarbeitern des Staatsschutzes. Sogar bei seiner Gesellenprüfung, die in den Räumen der IHK in Körne stattfand, patrouillierten Zivilpolizisten wichtig tuend durch das Gebäude, während die meisten Mitauszubildenden ihre Späße über einen solch peinlichen Auftritt machten. Aus staatlicher Sicht scheint das Kalkül gewesen zu sein, Joel Herget Schutz zu signalisieren (obwohl es überhaupt keine Anzeichen gab, dass ein solcher Schutz notwendig gewesen wäre) – das lässt Spekulationen zu, ob es bei der Vorgeschichte etwas zu verbergen gab und aus staatlicher Sicht die Sorge besteht, dass Herget „Insiderinformationen“, entweder über Marcus Arndt, dessen Rolle zu staatlichen Organen oder seine eigenen, möglichen Kontakte, veröffentlicht werden könnten.

Bereits am Folgetag, dem Freitag (29. Juni 2018) wurde auch ein erster Kontakt zum Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes NRW geknüpft, wobei noch unklar ist, ob dieser von Herget selbst gesucht oder durch die Mitarbeiter des Staatsschutzes angeboten wurde. Seither steht Joel Herget als persönlicher Kontaktbeamter ein Mitarbeiter des Innenministeriums zur Seite, der unter dem Namen „Robert Mohren“ auftritt, im Referat 626 (Prävention) tätig ist und in der Vergangenheit bei Anquatschversuchen in Dortmund bereits in Erscheinung trat. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es sich bei der Bezeichnung des Geheimdienstmitarbeiters um einen Aliasnamen handelt. Herget ließ währenddessen in seinem persönlichen Umfeld verlauten, dass er im Rahmen des Aussteigerprogramms eine eigene Wohnung erhalten würde, nach Ende seiner Ausbildung würden die Behörden auch den Kontakt mit dem Arbeitsamt führen und ihm in seine „eigenen vier Wände“ helfen.

“Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin“

In die gemeinsame Wohnung nach Brackel kehrte Joel Herget nach dem Outing nicht mehr zurück mehr oder weniger stümperhaft versuchten die beiden Bewohner im Nachgang sogar, Hinweise, die auf ein gemeinsames Zusammenleben deuteten, verschwinden zu lassen, fast wirkte das Verhalten von Arndt und Herget panisch, sowie aufgescheucht. Derzeit hält sich Herget zumeist bei einer Bekannten in Dortmund auf, außerdem übernachtet er gelegentlich in seiner elterlichen Wohnung in Selm. Er peilt jedoch an, Dortmund zeitnah Richtung Berlin zu verlassen und sieht seinen Lebensmittelpunkt in der bunten Hauptstadt dieser Republik. Derzeit hat Joel Hergeht verschiedene Inserate im Internet geschaltet, bei denen er sich um eine Wohnung in Berlin bemüht, u.a. im sozialen Netzwerk „Facebook“ oder auf dem Portal „Ebay Kleinanzeigen“, wo er angibt, „aufgrund persönlicher Probleme“ von Dortmund nach Berlin ziehen zu wollen. Ob es sich dabei um ein persönliches Vorhaben von Herget handelt oder diese Empfehlung von seinen Kontaktpersonen bei Staatsschutz und Innenministerium erfolgt ist, lässt sich bisher nicht sicher belegen.


Quelle: Facebook


Quelle: Ebay Kleinanzeigen

Welche Rolle spiel(t)en die Geheimdienste und Behörden?!

Die rührende Sorge, mit der sich die staatlichen Behörden um Joel Herget kümmern, nährt – wie bereits erwähnt – den Verdacht, dass es etwas zu vertuschen gibt. Auch das Aussteigerprogramm, das ursprünglich darauf abzielt, Personen, die sich in nationalen Strukturen bewegen, aus der „Szene“ zu lösen, wird im Fall Joel Herget ad absurdum geführt, er braucht keine Hilfe, sich aus den Strukturen zu lösen, denn er wurde öffentlich (und bundesweit wahrnehmbar) hochkant hinausgeworfen. Aber vielleicht sucht das Innenministerium auch ein Erfolgserlebnis, endlich einen „erfolgreichen“ Ausstieg präsentieren zu können. Wer sich jedoch mit den Geheimdiensten abgibt, verrät nicht nur seine eigenen, politischen Ideale als Nationalist, sondern macht sich auch zum Spielball eines Staates, der nicht nur im Falle des NSU-Komplexes gezeigt hat, wie er Menschen zu Marionetten macht, um sie in einen größeren, vorgegebenen Gesamtzusammenhang einzufügen.

Unklar ist bisher, ob Joel Herget oder Marcus Arndt juristische Schritte eingeleitet haben, die darauf abzielen, das Zusammenleben zu bestreiten. Vorstellbar wären in erster Linie zivilrechtliche Klagen, Äußerungstatbestände wie Beleidigung, Verleumdung oder auch die üble Nachrede dürften ohnehin nicht greifen. Sollte tatsächlich eine juristische Auseinandersetzung stattfinden, dürfte sich diese zum Eigentor für die Beiden entwickeln, denn dann bestünde endlich die Möglichkeit, in öffentlicher Verhandlung, unter Ladung von Zeugen und dem Heranziehen weiterer Beweismittel, den Fall Joel Herget haarklein aufzuarbeiten und letztendlich nicht nur zu belegen, dass beide am Breierspfad zusammengewohnt haben (was sich auch durch diverse Vertragsunterlagen, Aussagen von Nachbarn, Observationsergebnissen usw. leicht belegen lässt), sondern auch die Frage nach der Motivation, sowie der Beziehung zwischen den beiden Personen zu beantworten. Während Herget offenbar einige Tage, nachdem er das Zusammenleben bereits eingeräumt hatte, „gebrieft“ wurde, dies zukünftig zu verleugnen, versucht Marcus Arndt bisher, die Enthüllungen auszusitzen, er verkehrt offenbar sogar noch in seinem journalistischen Umfeld, zu dem u.a. die „Nordstadtblogger“ zählen. Tatsächlich handelt es sich bei Arndt um einer der dubiosesten Personen, die in den vergangenen Jahren auf lokalpolitischer Ebene in Dortmund in Erscheinung getreten sind und auch die Akten des angezeigten Überfalls aus Arndt, sowie der angeblichen Todesdrohungen gegen linke Journalisten, durch die Arndt erst überregional bekannt wurde, lesen sich wahrscheinlich anders (und zwar deutlich kritischer), wenn die zahlreichen Vorstrafen von Marcus Arndt – aus dem Jahr 1995 bis heute – berücksichtigt werden, die neben diversen Betrugsdelikten, wegen denen Arndt sogar bereits im Gefängnis saß, auch Vergehen wie den „Missbrauch von Notrufeinrichtungen“ und die „falsche Verdächtigung“ umfassen.

Angekündigte Stellungnahme von Herget blieb aus

Auch nach dem öffentlichen Outing wurde Joel Herget mehrmals die Möglichkeit geboten, sich zu erklären, wovon dieser jedoch keinen Gebrauch machte. Die kurz nach der Veröffentlichung seines Doppellebens erfolgte Ankündigung, er wolle sich in einer Stellungnahme bei Facebook äußern, blieb ebenfalls ein Lippenbekenntnis, so dass insbesondere die persönliche Ebene zwischen Arndt und Herget, sowie die Frage nach dem Umfang der politischen Informationsweitergabe, nach wie vor unzureichend aufgearbeitet wurde.

Der „Fall Joel Herget“ dürfte die nationale Bewegung noch einige Zeit in seiner Aufarbeitung und Aufklärung, ggf. auch juristisch, beschäftigen. Nach wie vor wird gebeten, Auffälligkeiten, sowohl aus der Vergangenheit, als auch gegenwärtig, welche bei den betroffenen Personen festgestellt werden, per E-Mail an [email protected] zu senden. Sämtliche Unterlagen, die im Rahmen von zahllosen Gesprächen, teils persönlicher Nachforschungen, intensiver Recherche Beobachtungen usw. entstanden sind, befinden sich gut archiviert in den Händen von Rechtsanwälten, um sie dem eventuell beabsichtigten Zugriff der Behörden zu entziehen, falls diese – in ihrer Panik vor weiteren Enthüllungen, insbesondere vor dem Hintergrund der möglichen Zusammenarbeit mit Geheimdiensten – versuchen, die Informationsfreiheit mit repressiven Mitteln einzudämmen.

Hätte Joel Herget sein Leben nicht auf einer Lüge aufgebaut, wäre ihm ein großer Ansehensverlust erspart geblieben und auch politische Aktivisten, die in die Ereignisse eingebunden waren bzw. sind, könnten die freigewordene Energie für produktivere Tätigkeiten nutzen, als Informanten aus den eigenen Reihen zu überführen. Es ist schade, vor allem auch für einige Nationalisten eine menschliche Enttäuschung, aber notwendig, um politische Strukturen, insbesondere die der Partei DIE RECHTE, wo Herget zuletzt tätig war, zu schützen. Dass Herget selbst noch einmal in politischer Position in Erscheinung tritt, ist zumindest in nationalen Kreise nicht zu erwarten und eigentlich könnte der umgangssprachliche „Deckel über der Akte“ geschlossen werden. Durch die Begleitumstände, insbesondere die Agitation des Journalisten Marcus Arndt, sowie die ungeklärte Rolle der staatlichen Behörden, wird der Fall aber auch weiter Politikum bleiben. Durch die kollektive Schweigespirale der Medien, denen die Enthüllung offenbar zu brisant ist, werden Spekulationen weiter angeheizt. Abzuwarten bleibt, welche Fakten zukünftig noch auf den Tisch kommen und ob es sogar gelingt, eine mögliche, staatliche Einflussnahme auf und über das Duo Herget-Arndt nachzuweisen!

Verfasser: Ermittlungsausschuss Dortmund-Ost

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8 Kommentare

  1. Hat es eigentlich irgendwelche öffentliche Stellungnahmen aus der Dortmunder Antifa-Szene zu diesem kuriosen Fall gegeben? Ich hätte keine nennenswerten Reaktionen von dieser Seite mitbekommen und diese Gestalten berichten doch sonst über alle rechten Interna, von denen sie irgendetwas spitzkriegen.

  2. ehrlicher Kamerad on

    Komisch ist doch, das seit dem der Arndt in Dortmund aktiv ist, viele Kameraden sich als Verräter entpuppt haben und in Nacht und Nebel mit einmal verschwanden oder aber als Aussteiger endeten. Die Bewegung Dortmund ist wohl genauso unterwandert mit Informanten wie bei der NPD. Etwas gutes hat das ganze ja, so hat der der Oberantifa Lukas B. und Iris B-L. nach dem Outing ein Sonderplenum im Langen August, und bei der Blockado Zentrale bei den Linken einberufen. Dort heulten die Linken sich gegenseitig herum wie denn Arndt dazukommt einen Nazi aus der Rechten Szene zum Ausstieg zu helfen, gelten wir doch als unbelehrbar. Lukas B. hat daraufhin eine Warnmeldung an alle Antifa in NRW Versand und man hat den WDR Journalisten in Dortmund aufgefordert sich von Arndt zu distanzieren, selbst Korrallenherz distanziert sich Man darf gespannt sein was da wohl noch alles kommt,

    [Zu Dokumentationszwecken wird dieser Kommentar freigeschaltet, es bestehen erhebliche Zweifel an der Urheberschaft des “ehrlichen Kameraden”, vielmehr kann sich der aufmerksame Leser wahrscheinlich erahnen, wer hinter dem Kommentar steckt…, Anm. d. Red.]

  3. Der Joel will also nach Berlin. Na, mal sehen, was der zuständige Stützpunkt zu so einer Figur sagt. Der braucht sich nicht blicken zu lassen, die Partei “Der III:Weg” hat keine Verwendung für Verräter.

  4. Stefan Stolze on

    Die Rolle der Gemeindienste ist doch klar. Die heucheln Sicherheit und in Wahrheit schreiben die Berichte ,die der Polit Bagage angenehm sind. Warum werden wohl Grüne in Ruhe gelassen obwohl deren Nähe zur RAF und feindlichen Geheimdiensten bekannt ist ? Warum dürfen linksradikale zur Gewalt aufrufen,ohne behelligt zu werden,ich erinnere nur an die Castotgeschichten usw.Und die Konspiration einiger Grüner mit den Bergtürken Clans ist genau genommen auch gefährlich .Wird aber hingenommen ,komisch ! Und warum wurden die AStA Hamburg Geschichten um den elften September niemals öffentlich gemacht. Könnte es sein das die Kasperbude in Berlin solche Ereignisse hinnimmt oder sogar initiiert ? Da wundert es niemanden ,das von Zeit zu Zeit einige Namen aus dem Rechten Spektrum veröffentlicht werden,damit die Journaille sich darauf exponierte Körperteile wund schreiben kann . Außerdem ist dies eine Rechtfertigung der linken,die so stinken, weitere Steuergelder abzureifen.

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