„Kinderspielplatz Wilhelmplatz“ als Bollwerk gegen Neonazis? Wie die Phantasie mit einem CDU-Abgeordneten durchging

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Wenn es um den „Kampf gegen Rechts“ geht, kommen die etablierten Politiker mitunter auf absurde Ideen. Alltägliche Aktivitäten werden in den entsprechenden Kontext gesetzt, Veranstaltung „für Zivilcourage und Toleranz“ aus dem Boden gestampft und gebetsmühlenartig von einer „demokratischen Zivilgesellschaft“ schwadroniert. Selbst unter diesen Verhaltensweisen sticht der Vorstoß des Dorstfelder CDU-Bezirksvertreters Jörg Tigges jedoch hervor. Tigges, in seiner Partei im unbedeutenden Dorstfelder Ortsverband und als Bezirksvertreter in der Hierarchie weit unten, ist in den vergangenen Jahren schon mehrfach durch realitätsferne Vorstöße aufgefallen, vor acht Jahren schlug er beispielsweise vor, dass der Dorstfelder Hellweg durch die Stadt Dortmund (ohne, dass es dafür eine Rechtsgrundlage gäbe) videoüberwacht werden sollte. Dieses Vorhaben hatte sich schnell erledigt und auch eine neue Idee des Rechtsanwaltes, der in Oberdorstfeld wohnhaft ist, dürfte sich ebenso schnell in Luft auflösen: Jörg Tigges hat die schlaue Idee, den Wilhelmplatz teilweise in einen Kinderspielplatz umzuwandeln, um die „rechte Szene“ vertreiben zu können. Wie genau er sich diesen Schildbürgerstreich vorstellt, erklärt der gute Mann auch ausgiebig in den „Ruhr Nachrichten“.

Ein Spielplatz auf dem Wilhelmplatz?!

Demnach plane Tigges, den oberen Teil des Wilhelmplatzes in einen Kinderspielplatz umzuwandeln, an dem entsprechende Rauch- und Alkoholverbote gelten, die von Ordnungsamt und Polizei mit Platzverweisen bei Zuwiderhandlungen geahndet werden können. Ein ähnliches Vorgehen wendete die Stadt im Bereich des Brennpunktes Nordmarkt in der Nordstadt an, der ebenfalls teilweise zu einem Spielplatz gewandelt wurde – mit dem fragwürdigen Ergebnis, dass die Drogen- und Trinkerszene, die dadurch verdrängt wurde, mittlerweile nicht mehr im Norden des Nordmarktes anzutreffen ist, sondern im Süden des Platzes und ansonsten ungestört ihr Dasein genießt. Abgesehen davon, dass es am Dorstfelder Wilhelmplatz keine vergleichbare Szene gibt, würde selbst der ein oder andere Rechte, der dort sein (Feierabend-)Bier genießt, einfach weiterhin im unteren Teil des Platzes verweilen, der ohnehin wesentlich einladender zum kurzzeitigen Verweilen ist, als der obere Teil des Wilhelmplatzes, der überwiegend von Parkplätzen dominiert wird, die Tigges selbstredend auch für den Kinderspielplatz entfernen möchte. Ob es eine allzu schlaue Idee ist, einen Kinderspielplatz wenige Meter von zwei Hauptverkehrsstraßen, auf denen sogar mehrere Straßenbahnlinien fahren, entfernt zu errichten, darf ebenfalls kritisch hinterfragt werden. Aber vielleicht ging es Herrn Tigges auch lediglich darum, etwas Presse zu erhaschen – zumindest das dürfte ihm gelungen sein.


Aus dem Wilhelmplatz möchte der CDU-Bezirksvertreter Tigges einen Kinderspielplatz machen

Stadt Dortmund widerspricht Tigges

Die Dortmunder Stadtverwaltung zeigt sich im Übrigen wenig begeistert von den vermeintlich schlauen Plänen des Jörg Tigges und erklärte, dass der Wilhelmplatz zwar zukünftig umgestaltet werden solle, dies aber nicht vor der Entscheidung über den Bau eines Vollversorger-Supermarktes geschehen würde. Zum Vorstoß von Tigges hieß es lediglich, der CDU-Politiker wäre wohl ein wenig vorgeprescht und die Bezirksvertretung würde in die Gestaltungspläne mit einbezogen – die Entscheidung wird aber letztendlich ohnehin im Rat fallen, in dem die etablierten Parteien erfahrungsgemäß wenig Wert auf die Meinung ihrer Kollegen aus den Stadtbezirksparlamenten legen. In diesem Fall ist das nicht unbedingt schlecht, denn der Plan eines Kinderspielplatzes im oberen Teil des Wilhelmplatzes (an dem sogar bereits einige Spielgeräte installiert sind, die jedoch vergleichsweise selten genutzt werden) ist nicht nur aus verkehrstechnischer Sicht fragwürdig, er würde auch dem Wunschziel des CDU-Politikers, Rechte aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen, nicht dienlich sein. Im Gegenteil: Vielleicht würden sich sogar noch ein paar Rechte mehr einfinden, neben den Genießern ihres Feierabendbiers im unteren Teil des Wilhelmplatzes, könnten im oberen Teil deutsche Familien mit ihren Kindern auf dem entstandenen Spielplatz spielen. Jörg Tigges sei Dank.

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3 Kommentare

  1. Erich Manstein on

    Als nicht Karnevalist möge man Nachsicht mit mir zeigen für die folgenden Zeilen.
    Hinsichtlich der “Nazi”-Bekämpfung hat man auch im jetzigen Karneval (mal wieder) zu allen Mitteln gegriffen. Man kommt als passionierter Radiohörer nicht vorbei am Karnevalstreiben. Somit ist man/frau “gezwungen” den für mein Verständnis allzu oft niederen Kalauern zu lauschen. Ein dreifaches Trärä- dann der nächste “dumme” gnadenlos hole Scherz- ist es denn ein solcher? Brot(Bier) & Spiele(Sprüche) für die schunkelnden (verdummten) Massen .-) … oder???
    Nur in einem sind sich alle Büttenredner und solche die sich dafür halten, einig zu sein: im Hau-drauf auf die AfD und Herrn Trump (ich bin deshalb nicht sein Fan)- ABER muss man den Präsidenten der USA als Arschloch betiteln wie es z. B. ein Herr Bernd Stellter öffentlich tut? Tue ich selbiges nur beim Vis a Vis, stehe ich vor dem Kadi.
    Und alles was eine AfD auch sagt, ist natürlich Nazi-Gehabe pur und gehört nicht in “unser” offenes Land ….
    Ja, ja, – offen für alles und jeden – nur nicht für die eigne Bevölkerung – die soll “raus”
    Ein Bevölkerungsaustausch der übelsten Art nach der verbrecherischen Vertreibung der Jahre 1945-48!

    »Ich lege hier für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, dass ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwänglichen Dummheit verachte und mich schäme, ihr anzugehören.«
    — Arthur Schopenhauer —

  2. Hermann the German on

    Diesen bedingt Tauglichen muss ich sogar in Puncto Spielplätze ein Kompliment machen. In Dortmund gibt es -korrigiert mich, wenn ich falsch liegen sollte- eine recht hohe Dichte an Spielplätzen. Teilweise sogar sehr guten (Bsp. Westpark, Bärenbruch, Westfalenpark ohnehin).
    Defizite gibt es da eher bei Hundefreilaufflächen.

    Die Absicht, bestimmte Leute aus dem öffentlichen Straßenbild zu entfernen, indem man Spielplätze baut, wirft bei mir die Frage auf, wieso es solche Leute schaffen, Rechtsanwalt und Kommunalpolitiker zu werden. Mal ganz im Ernst, für eine solche berufliche Karriere muss man doch eigentlich ein bisschen was im Kopf haben. In jeder Schulklassendiskussion hätte man über einen solchen Lösungsansatz spöttisch gelacht und der meint das tatsächlich ernst.

    Vor der nächsten Kommunalwahl muss einfach jeder ansatzweise Rechte in seinem Bekanntenkreis für Brück mobilisieren, damit zumindest ein paar Vernünftige gegensteuern und alles transparent machen können, was da sonst noch absurdes zu Gange ist.

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